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Kultur
Großer Verlust für die Folkszene
Folksinger, Poet und Storyteller Tommy Makem gestorben
Am 1. August verstarb im Alter von 74 Jahren in Dover, New Hampshire, einer der wichtigsten Repräsentanten des irischen Folk Revivals. Tommy Makem, der Troubadour aus Keady in South Armagh, leitete in den fünfziger Jahren gemeinsam mit den Clancy Brothers (aus Co Tipperary) die Renaissance der irischen Balladentradition ein und wurde, wie Präsidentin Mary McAleese aus Anlass seines Todes sagte, "ein erstklassiger Botschafter seines Landes, einer, auf den wir immer stolz sein werden."
Makem stammte aus einer musikalischen Familie. Seine Mutter, Sarah, war eine weit über Irland hinaus bekannte Balladensängerin, deren fast endloses Repertoire Song Collectors wie Diane Hamilton, Alan Lomax oder Jean Ritchie nach Keady lockte. Diane Hamilton, die für die Guggenheim-Stiftung unterwegs war, kam in den frühen 50er Jahren nach South Armagh und blieb eine ganze Woche, um Sarah, die Makem-Familie und ihre Nachbarn aufzunehmen. Viele der Aufnahmen finden sich heute im Traditional Music Archive in Dublin – eine wertvolle Quelle für alle Folksänger.
Entdeckung im Greenwich Village
Tommy und sein Vetter, Liam Clancy, interessierten sich zuerst für Mädchen und das Theater – in der Reihenfolge, wie Liam betont. Aber sie sangen auch, nicht nur im Familienkreis. Tommy war Mitglied einer der damals so populären Showbands. Beide wanderten 1855 bzw 1958 nach Amerika aus. In Dover, New Hampshire bestand bereits ein Brückenkopf der Makems – hier fand Tommy Arbeit in einer Fabrik. Nachdem bei einem Arbeitsunfall aber seine Hand gequetscht wurde, war er ein Jahr lang arbeitslos. Es zog ihn nach New York, wo er wieder auf Liam traf. Sie traten in den Cafés von Greenwich Village auf, zusammen mit Liams Bruder, Tom Clancy. Manchmal stieß auch Paddy Clancy dazu. Die Clancy Brothers & Tommy Makem waren geboren, untrennbar verbunden mit ihrem Markenzeichen, den handgestrickten Aran-Pullovern. Sie waren baff, wie viel Geld sie mit Musik verdienen konnten, bis zu 125 Dollar die Woche!
Sie eröffneten für Josh White, wurden von Columbia Records unter Vertrag genommen. Bob Dylan zählte zu ihren Fans. Im Blue Angel traten sie Anfang der sechziger Jahre mit Barbra Streisand auf, und wurden wie sie für die legendäre Ed Sullivan Show gebucht. 80 Millionen sahen die Clancy Brothers & Tommy Makem 1961 auf dem Bildschirm. Über Nacht waren sie Stars, weit über die Folkszene hinaus. Ciarán MacMathúna spielte ihre Songs im irischen Radio. Und das Ballad-Revival war geboren.
Weltweiter Erfolg
Dreizehn Jahre blieben sie zusammen, gingen weltweit auf Tournee, füllten die Carnegie Hall in New York ebenso wie die Royal Albert Hall in London, und spielten zahllose Alben ein. ‘Brennan on the Moor’, ‘The Rising of the Moon’, ‘Isn’t It Great Boys’ – nur einige der Hits. Tommy Makem blieb seinen Wurzeln treu – er hatte unbändiges Vertrauen in die traditionellen Songs und Balladen, die er von seiner Mutter gelernt hatte. Aber er war auch ein kreativer Geist, der mehrere Songs in die Tradition einbrachte. Prominente Songs aus der Feder von Tommy Makem sind ‘The Rambles of Spring’, ‘Farewell to Carlingford’, ‘The Winds Are Singing Freedom’, ‘Red is the Rose’, ‘Gentle Annie’, ‘The Boys of Killybegs’ und vor allem natürlich ‘Four Green Fields’, das bei keinem Konzert fehlen durfte.
1969 wandte sich Tommy Makem seiner Solo-Karriere zu, tat sich aber 1988 für weitere dreizehn Jahre mit Liam Clancy zusammen. Liam war 1972 nach Calgary ausgewandert und hatte dort seine eigene TV-Show. 1976 war Tommy sein Gast. Die Show gewann den kanadischen Emmy. Und Archie Fisher produzierte in Calgary ein Album mit den beiden. Sie hatten 11 Songs im Kasten – einer fehlte noch. Da schlug Archie ‘The Band Played Waltzing Mathilda’ vor, einen Song, den sein Freund, der aus Schottland nach Australien ausgewanderte Eric Bogle, gerade geschrieben hatte. Er wurde ein No.1 Hit für Tommy und Liam in Irland. Der Boston Globe’ nannte Tommy Makem einen ‘Irish Soul Singer’ – mit seiner unverwechselbaren Basso Profundo-Stimme. Letztes Jahr wurden Makem und die Clancys auf einer irischen Briefmarke verewigt.
Letzter Irlandbesuch
Im Juli war Tommy Makem, schon schwer von Lungenkrebs gezeichnet, noch einmal in Belfast (wo ihm die University of Ulster einen Ehrendoktor verlieh) und in South Armagh. Sein Neffe, Peter Makem, sagte: "Ich glaube, er wollte Keady und Derrynoose noch ein letztes Mal sehen, die Gegend, die er vor 52 Jahren verließ." Er war ein Kämpfer. Noch bis Ende des Jahres hatte er Konzerte eingeplant, Doch es war abzusehen, dass er seinen Kampf gegen den Krebs verlieren würde.
Liam Clancy sagte: "Tommy war ein Mann von großer Integrität und Aufrichtigkeit, und seine Courage schien durch bis zum Ende." Er wies auch darauf hin, wie wichtig im Rückblick das Folk-Revival für das Selbstvertrrauen der ganzen Insel war. In den vierziger - und fünfziger Jahren trug Irland, wie er sagte, "einen monumentalen Minderwertigkeitskomplex auf seinen Schultern." Der Erfolg der Clancys und Tommy Makems in den USA und dann zuhause brachte eine gute Dosis Selbstvertrauen.
Für die jungen Musiker in den ‘60er Jahren aber war es einfach aufregend, dass die Lieder, die sie ja eigentlich kannten, mit Gitarren und Banjos und Tin Whistles so sexy klingen konnten. Die Musik der Clancys und Tommy Makens war für sie einfach ansteckend.
Der irische Kultusminister Seamus Brennan nannte Tommy Makem in einem Nachruf "einen Künstler mit vielen Talenten, dessen Können weit über die Musik hinaus reichte, als Geschichtenerzähler, Schauspieler, Liedermacher und Dichter." Der Sänger sei schon zu Lebzeiten eine Legende gewesen: "Nun, nach seinem Tod, hat er ein reiches und fortdauerndes Erbe an Musik, Songs und Stories hinterlassen, die von der jetzigen und kommenen Generationen genossen werden können."
geschrieben von Eberhard Bort am 04.08.2007 um 18:22 Uhr.


