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Tübinger Professor ins schottische Parlament gewählt

Christopher Harvie hat bei den Wahlen in Schottland das Mandat für die Region Fife & Mid Scotland errungen.

Tübinger Professor ins schottische Parlament gewähltEr war selbst überrascht. Aber nach Auszählung aller Stimmen bei den schottischen Parlamentswahlen hatte Christopher Harvie in Fife, nordöstlich von Edinburgh, das einzige Listenmandat der Schottischen Nationalpartei (SNP) für diese Region ergattert. Der Professor für britische und irische Landeskunde, seit 1980 an der Uni Tübingen tätig, wird die nächsten vier Jahre im Parlament von Holyrood in Edinburgh sitzen.

Es waren historische Wahlen in Schottland. Erstmals seit 50 Jahren verlor die Labour Party ihren Rang als stärkste Partei – die SNP hatte mit einem Sitz die Nase vorn. Und einer der 47 Abgeordneten der SNP ist in Tübingen und Umgebung kein Unbekannter. Als der Uni-Professor bei den letzten Kreistagswahlen in Tübingen für die SPD kandidierte, schlug er sich zwar achtbar, ins Gremium reichte es ihm allerdings nicht. Nun kam Harvie, der in seinem Wahlkreis Kirkcaldy knapp über 8000 Stimmen erzielte, über die Liste für die Region Fife & Mid Scotland ins schottische Parlament.

Seit 27 Jahren in Tübingen

Wie er nach der Wahl erklärte, führt der 62-Jährige Historiker und langjährige DIF-Mitglied bereits Gespräche mit der Uni Tübingen. Der bei seinen Studenten sehr beliebte Landeskunde-Professor würde gerne einen Koffer in Tübingen behalten. Auch weil die Zukunft der Landeskunde am Englischen Seminar alles andere als gesichert erscheint. Harvie könnte sich vorstellen, bis zu seiner Pensionierung weiterhin Gastvorlesungen und Kompaktseminare in Tübingen anzubieten, sofern sich das mit seiner neuen Rolle als Parlamentarier verbinden lässt.

Obwohl Harvie in den letzten 27 Jahren vorwiegend in Tübingen agierte, war er nie wirklich von Schottland abwesend. Er hatte eine Gastprofessur in Glasgow inne und brachte sich immer wieder mit Publikationen in die schottische Debatte ein. Dabei, so betont er, seien ihm seine Erfahrungen im dezentralisierten, föderalen Baden-Württemberg eine gute Richtschnur gewesen. Beispielsweise sei die regionale Medienlandschaft mit starken Regionalzeitungen etwas, das Schottland abgehe. Kommunalpolitische Strukturen müssten gestärkt werden. Duale Lehrlingsausbildung, lokale Erzeugermärkte, funktionierender Nahverkehr, Bildung und Kulturpolitik – die Themen liegen für Harvie auf der Hand. Den Wahlkampf hat er genossen: "Das ist das beste politische Training, das es gibt, weil man eine Vorstellung davon bekommt, was die Wähler wirklich umtreibt, und weil man zuhören muß."

Spannende Rückkehr

Derzeit ist noch nicht abzusehen, wie sich die Regierungsbildung in Schottland gestalten wird. Die SNP will ein Referendum über die Unabhängigkeit des Landes, aber sie hat nur 47 von 65 der für eine Mehrheit notwendigen Sitze. Zusammen mit den Liberaldemokraten (sechzehn Sitze) und den Grünen (2) könnte es reichen. Aber die Lib Dems weigern sich bisher standhaft, einem Referendum in der kommenden Legislaturperiode zuzustimmen. So spannend hatte sich Chris Harvie die Rückkehr nach Schottland nicht vorgestellt.

geschrieben von Eberhard Bort am 07.05.2007 um 11:00 Uhr.


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