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Neues von der Insel: Paddy Borts Geschenke-Tipps
Von Christy Moore bis Catahl McConnell - Bücher, CDs und DVDs aus Irland.
Paddys Geschenktipps für Weihnachten:
(1) Christy Moore ‘Folk Tale’
Nichts Revolutionäres von Irlands Folk-Urgestein, aber ein sehr schönes, hörenswertes Album, mit einigen Liedern, die im Gedächtnis haften bleiben. ‘Morecombe Bay’ (aus der Feder von Kevin Littlewood) wurde für den BBC Radio 2 Award in der Kategorie ‘Original Song’ nominiert.
Christy Moore, begleitet von Declan Sinnott, oszilliert zwischen humorvollen und ernsthaften Songs. ‘My Little Honda 50’ ist ein kleiner Lobgesang auf das gleichnamige Moped, mit dem der junge Moore über die irischen Landstraßen fegte, während ‘Easter Snow’ eine kleine Verbeugung vor Seamus Ennis ist, dem Christy in den späten Sechzigern erstmals begegnete.
Zu ganz großer Form läuft Christy Moore auf, wenn er einen alten Planxty-Titel neu belebt: ‘Farmer Michael Hayes’, die Geschichte eines Pachtbauern, der seinen Pachtherrn umbringt, seiner Flucht und seiner Emigration nach Amerika. Ein Geschenk für Fans des irischen Barden – und für solche, die ihn vielleicht noch zu entdecken haben.
(2) Irisches Ballett
Das irische Theater ist, geschichtlich gesehen, in erster Linie ein Theater des Wortes. Dramatiker waren wichtig – von John M Synge und Seán O’Casey bis Brendan Behan und Brian Friel. Körpersprache und körperlicher Ausdruck wurden in der Regel dem Wort untergeordnet.
Mit ihrem Buch zeichnet Victoria O’Brien eine in Irland vernachlässigte, aber durchaus existierende Kunstform nach – das Ballett. Beginnend mit der ersten Ballettschule am Abbey Theatre in 1927, gegründet von W B Yeats (der sich schon immer für Tanz interessierte) und Ninette deValois, gibt sie Einblick in die Geschichte des Balletts in Irland. Denn die Sonntagnachmittagsvorstellungen waren so populär, dass sie dem Abbey halfen, die finanziell schwierigen 30er und 40er Jahre zu überleben.
Der 1939 gegründete Irish Ballet Club konzentrierte sich auf irische Choreographie, basierend auf irischen Sujets aus Mythologie und Legende und zeitgenössischen Themen. 1953 gründeten die russische Tänzerin Valentina Dukto und der Künstler Cecil ffrench Salkeld die National Ballet School and Company, die irische Themen und internationale Stars auf die Bühne brachte.
O’Briens Geschichte des Balletts in Irland ist eine Offenbarung – wie viele internationale Künstler als Bühnenbildner und Kostümdesigner in Irland fungierten, wie viele internationale Ballettstars in Produktionen in Irland mitwirkten, und wie viele internationale Choreographen das Programm bereicherten, und wie viele renommierte irische Künstler dem Ballett verbunden waren – von Patrick Kavanagh bis Louis de Brocquy – all dies ist spannend erzählt und illustriert, auch wenn man sich für den Preis mehr Illustrationen gewünscht hätte. In erster Linie ein akademisches Buch, aber für alle, die sich für die Theatergeschichte Irlands interessieren, ein Augenöffner.
Victoria O’Brien, A History of Irish Ballet from 1927-1963, Bern: Peter Lang, 2011, 38 Euro.
(3) ‘Christmas Magic’ von Cathy Kelly
Der Weihnachtshit auf dem irischen Buchmarkt in diesem Jahr ist die Geschichtensammlung von Cathy Kelly mit dem vielversprechenden Titel ‘Christmas Magic’. Eine Fahrt auf dem Fliegenden Teppich durch das Minenfeld der Festtage, wie der Irish Independent anerkennend vermerkte. Neunzehn Geschichten, in denen das Festtagsidyll mit den Realitäten des Lebens kollidiert. Wer also nur festlichen Eskapismus sucht, ist hier fehlberaten. Zumal auch nicht alle Geschichten einen weihnachtlichen Bezug haben. Wer aber realitätsnahe Geschichten mag, Geschichten über Liebe, Freundschaft und Familie, mit Einfühlungsvermögen, Humor und Verständnis für menschliche Schwächen erzählt, dem sei das Bändchen von Cathy Kelly unter den Christbaum gelegt.
Cathy Kelly, Christmas Magic, London: HarperCollins, 2011, 14,99 Euro.
(4) Mike Scott: An Appointment with W B Yeats
Wer zu Weihnachten ein Album voller glorreicher Melodien und Poesie auf dem Gabentisch für eine gute Idee hält, dem seien die fünfzehn Songs empfohlen, die Waterboy Mike Scott auf seinem Album ‘An Appointment with Mr Yeats’ versammelt hat.
Scott hat in seiner Karriere immer wieder mit Yeats geliebäugelt – jetzt hat er seinen Traum verwirklicht: ein ganzes Album vertonter Yeats-Gedichte – zwischen Blues (‘The Lake Isle of Inishfree’) und Folk (‘Mad as the Mist and Snow’). Das hätte ins Auge gehen können, aber in gewohntem Waterboys-Sound, mit Elan, Respekt und Überzeugung, ist ein kleines Meisterwerk daraus geworden.
(5) ‘Achtung Baby’ für Afrika
Ja, U2 haben gerade die 20-Jahres Jubiläums De-Luxe-Ausgabe von ‘Achtung Baby’ auf den Markt geworfen, und das wird sicher unter dem ein oder anderen Tannenbaum landen. Dies dagegen ist ein Benefizalbum, für das einige der Großen im Rock- und Popgeschäft das 1991er Album von Bono & Co gecovert haben, um Spenden für Afrika zu sammeln.
Bei ‘(Ahk-toong Bay-Bi) Covered’ mit von der Partie sind u.a. Patti Smith, Snow Patrol und Depeche Mode. Damien Rice hat sich ‘One’ vorgenommen, und Gavin Friday versucht sich an ‘The Fly’. Die erste Nummer, ‘Zoo Station’, kommt von den Nine Inch Nails. Und am Ende intoniert Jack White ‘Love is Blindness’.
Der Erlös aus dem Verkauf des Albums (über iTunes) geht an Concern Worldwide und soll für die Opfer der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika verwendet werden.
(6) Die Literaten und Künstler von ‘Baggotonia’
‘Prodigals and Geniuses: The Writers and Artists of Dublins Baggotonia’ ist ein Buch, das Dublins ‘Left Bank’ zum Thema hat. Hier, rund um die Baggot Street, stand die literarische Wiege von Oscar Wilde, Oliver St John Gogarty, W B Yeats, James Joyce und Samuel Beckett. Patrick Kavanagh und Brendan Behan besuchten die Catacombs in Leeson Street, und an der Canal Bridge stand jahrzehntelang der Nabel der literarischen Bohéme, May O’Flahertys ‘Parsons Bookshop’.
Flann O’Brien, George Moore, Frank O’Connor, JP Donleavy und Elizabeth Bowen, die Maler Jack B Yeats und Paul Henry – sie alle flanierten hier. Frances Bacon wurde in der Baggot Street geboren.
Und Brendan Lynch, der Brendan Behan und Patrick Kavanagh noch persönlich kannte, hat ihre Geschichte und die Geschichte von ‘Baggotonia’ aufgeschrieben. Ein literarischer Führer, und ein Führer zu diesem Viertel auf der Südseite Dublins, und ein feiner Beitrag zu Dublins Rolle als ‘Unesco City of Literature’.
Brendan Lynch. Prodigals and Geniuses: The Writers and Artists of Dublins Baggotonia, Dublin: The Liffey Press, 2011, 19,95 Euro.
(7) Wildflowers of Ireland
Auch für botanische Laien ist Zoë Devlins ‘Wildflowers of Ireland: A Personal Record’ eine Fundgrube, wenn es darum geht, Blumen in Irlands wilder Natur zu erkennen und zu verstehen. Von der Dublinerin selbst fotografiert, gibt das Buch einen Überblick über die irische Blumenpracht und das jeweilige Ökosystem, in dem sie blühen, komplett mit Kartenmaterial. Mehr als 400 Blumen sind beschrieben – ein Fest fürs Auge!
Zoë Devlin, Wildflowers of Ireland: A Personal Record, Cork: The Collins Press, 2011, 29,99 Euro.
(8) Rory Gallagher – ‘Notes from San Francisco’
Eigentlich sollte dies das Nachfolgealbum von ‘Calling Card’ werden – 1978 in Amerika aufgenommen. Doch dann kam Punk – und Rory Gallagher mottete das Ergebnis ein, konzentrierte sich auf die Basics und brachte stattdessen ‘Photo Finish’ heraus. Einige der Tracks schafften es auf ‘Photo Finish’, nun aber ist das gesamte Album unter dem Titel ‘Notes from San Francisco’ zusammen mit einer Live-Einspielung von 1979 als Paket erschienen.
Vielleicht klingt der ein oder andere Titel etwas überproduziert, aber es ist unverkennbar die Gitarre von Rory Gallagher, die das Geschehen bestimmt. Und das Live-Konzert aus San Francisco ist pure Energie von den Herren Gallagher, Gerry McAvoy und Ted McKenna. Das Album ziert jede Rock-Kollektion!
(9) ‘Passenger’ von Lisa Hannigan
Einstens war sie nur im Hintergrund zu hören, als Begleitsängerin von Damien Rice. Doch vor drei Jahren meldete sie sich mit ‘Sea Sew’ solo zu Wort, mit viel Erfolg. Unerwartet viel Erfolg – Tourneen führten sie um die Welt.
Und so dauerte es bis zu diesem Jahr, bis ein neues Album eingespielt war. Mit ‘Passenger’ ist sie vollends aus dem Schatten anderer irischer Singer/Songwriter herausgetreten. Einige der Lieder sind sehr persönlich gehalten – ‘Paper House’ oder ‘Little Bird’ –, andere, wie ‘Knots’ und ‘What'll I do’ sind rockigere Nummern, und 'Nowhere to Go' zeigt Lisa Hannigans Händchen für eine eingehende Melodie. Ein brillanter Schluss für ein glorreiches Album.
(10) 123 Songs von Cathal McConnell
Cathal McConnell, Gründungsmitglied der Boys of the Lough und angesehener Flötist, Sänger und Folklorist, wurde von Gerry und Dónal O’Connor ins Studio gebeten, wo sie nicht weniger als 123 Songs aus ihm heraus kitzelten. Zu viele für eine CD – deshalb ist dem wunderschön produzierten Song Book (herausgegeben von Síle Boylan) eine sechsstündige DVD mit allen Songs beigefügt. Cathal wurde letztes Jahr als ‘Traditional Singer of the Year’ in Irland ausgezeichnet.
Buch und dazugehörige DVD – ‘I Travelled This Country’ – sind bei www.cathalmcconnell.com erhältlich – zum Preis von 25 Euro + 6 Euro für Verpackung und Versand innerhalb Europas.
geschrieben von Eberhard Bort am 19.12.2011 um 17:34 Uhr.


