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News
Nordirland
Demonstrationen in Nordirland enden in brutaler Gewalt
Nach Paraden zum Orange Day: Blutigste Unruhen seit 10 Jahren in Belfast und Derry. Schüsse auf Polizei.
Die loyalistischen Paraden zum ‘Orange Day’, dem 12. Juli, an dem der Schlacht an der Boyne anno 1690 gedacht wird, in der King Billy (Wilhelm von Oranien) die katholischen Truppen Jakobs II. besiegte, führten dieses Jahr erstmals wieder zu blutigen Ausschreitungen, mit Bildern und Nachrichten, von denen man eigentlich gehofft hatte, dass sie ein für allemal der Vergangenheit angehören.
Gewalttätige Demonstranten in der Gegend um Ardoyne in Nord-Belfast, die gegen die Paraden des Oranierordens protestierten, griffen die Polizei mit Pflastersteinen, Flaschen und Molotowcocktails an. 55 Polizisten wurden verletzt. Eine Polizistin musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie von einem Zementbrocken am Kopf getroffen worden war.
Maskierter feuert auf Polizisten
In der North Queen Street wurden drei Polizisten durch Schüsse verletzt, als ein Maskierter aus der Menge der Demonstraten heraustrat und eine Schrotflinte abfeuerte. Auch in der New Lodge-Gegend wurden 14 Polizisten verletzt, und 13 holten sich Verletzungen am Broadway-Kreisverkehr an der Donegal Road, wo sie sich 200 jugendlichen Krawallmachern gegenübersahen. Die Polizei feuerte mit Gummigeschossen und setzte Wasserwerfer ein.
Chief Constable Matt Baggott war stolz auf seine PSNI-Beamten. Sie hätten große Zurückhaltung gezeigt und dabei effizient die Demonstranten und die Marschierer voneinander ferngehalten. Es sei jetzt aber eine "große Debatte" notwendig, wie die Dispute um die Paraden in Zukunft gelöst werden können. Der Schaden der Ausschreitungen gehe in die Millionen. Die Gewährleistung der Sicherheit um den 12. Juli in Belfast allein entspreche den Baukosten einer Krankenhausabteilung oder einer Grundschule.
Stecken Dissidenten hinter den Anschlägen?
In Derry, so die PSNI, seien die Ausschreitungen am 12. Juli in der Bogside die "schlimmsten seit zehn Jahren" gewesen. Die Polizei sei von einem Maskierten beschossen worden, Brandsätze seien geflogen. Die Polizei, so Chief Inspector Nick McCaw, vermutet republikanische Dissidenten hinter den Anschlägen: "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir nicht über Tote reden müssen."
Sowohl First Minister Peter Robinson wie auch Deputy First Minister Martin McGuinness verurteilten die Ausschreitungen. An die Adresse der Dissidenten gerichtet, sagte der örtliche Abgeordnete und ehemalige SDLP-Vorsitzende Mark Durkan: "Wenn diese Leute nicht auf Politiker wie mich hören wollen, dann sollten sie auf die Leute von Derry und ihre Sorgen und Interessen hören. Sie wollen keine Gewalt, nirgends, und schon gar nicht in ihrem Namen für irgendeine Sache."
Auch die Sinn Féin-Abgeordnte Martina Anderson, die im Aufsichtsgremium der nordirischen Polizei sitzt, forderte ein Ende der Attacken: "Letzte Nacht wurden 40 bis 60 Brandsätze auf den Straßen der Bogside geworfen. Ein Mann in einem Lieferwagen hätte ernsthaft verletzt werden können. Und dann die Schüsse. Wir wollen nichts davon in der Bogside."
geschrieben von Eberhard Bort am 13.07.2010 um 20:15 Uhr.


