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News
Irische Politik
Ist in Irland ein Ende der Talfahrt in Sicht?
Dank steigender Exporte erholt sich die Wirtschaft und lässt Rezession hinter sich.
Irlands Wirtschaft hat im ersten Quartal 2010 die Rezession hinter sich gelassen. Vor allem steigende Exporte ließen die irische Wirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem letzten Quartal des Vorjahres um 2,7 Prozent wachsen.
Seit Beginn des Jahres 2008 war Irland auf wirtschaftlicher Talfahrt. Mit 14,3 Prozent des Bruttosozialprodukts hatte Irland letztes Jahr das größte Haushaltsbudget aller EU-Staaten. Entwarnung also? Haben die drastischen Einsparungen der drei Notbudgets in anderthalb Jahren gewirkt? Wird das ganze doch nicht ganz so schlimm?
Vorsichtig optimistisch
Wirtschaftsprof Ray Kinsella warnte in der Irish Times, dass man sich von den Quartalszahlen nicht blenden lassen sollte. Denn aufs ganze Jahr bezogen, sei auch im ersten Quartal das Bruttosozialprodukt zurück gegangen. Und das nach dem im modernen Irland beispiellosen 13-prozentigen Rückgang der Wirtschaftsleistung seit dem Jahr 2000.
Die jüngsten Zahlen zeigten nur, dass in einer Wirtschaft, die so schnell und so stark geschrumpft ist, einige Branchen auch wieder wachsen. Eine wirtschaftliche Erholung sei das noch lange nicht. "Die Rezession ist vorbei", sei eine voreilige Aussage. Auch wenn sie rechnerisch zutreffe, spiegele sie nicht die Erfahrung der Menschen im Land, die sich mit wachsender Arbeitslosigkeit und fortgesetzten Einschnitten bei den staatlichen Leistungen konfrontiert sehen.
Ausgaben der Verbraucher gehen zurück
Eine solche Aussage speise auch die "schrecklich gefährliche Illusion", dass die Wirtschaft nur eine "kleine technische Anpassung" durchlaufe. Und es gebe keinen Plan, sollte die irische Wirtschaft durch die Sparmaßnahmen in fast ganz Europa zurück in die Rezession gezogen werden.
Sowohl die Ausgaben der Verbraucher als auch der Investoren gehen in Irland weiter zurück. Die Arbeitslosenrate in Irland dagegen stieg im Juni auf 13,4 Prozent (oder 452 800). Die Zahl der Arbeitslosen hat sich damit seit 2008 verdoppelt. Und das, obwohl die Zahl der Auswanderer stark angestiegen ist und damit der Anteil der Arbeitsfähigen in der Bevölkerung gefallen ist. Die Zahl der Beschäftigten ging allein im letzten Jahr um 108 000 zurück. Kaum hatte die Regierung das Ende der Rezession verkündet, da stellte die Telekommunikationsgesellschaft Eircom die Entlassung von 2000 Mitarbeitern in den kommenden 18 bis 24 Monaten an.
Vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit hat zugenommen. Im März waren es 112 000 – ein Anstieg um 63 500 in nur zwölf Monaten. Aber auch bei der Jugendarbeitslosigkeit wird Irland nur von Spanien daran gehindert, die rote Laterne zu tragen.
Zahl der Pfändungen von Wohnungseigentum steigt
Die Zahl der Pfändungen vor allem von Wohneigentum steigt weiter. Ebenso die Zahl der Insolvenzen: Fast 800 Firmen gingen im ersten Halbjahr 2010 in Konkurs. Das waren 27 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs und mehr als im gesamten Jahr 2008.
Das Wachstum im ersten Quartal sei "good news", meinte der Irish Independent – aber offensichtlich stehe Irland vor einer "jobless recovery" – einem Wirtschaftsaufschwung ohne korrespondierenden Zuwachs an Arbeitsplätzen. Das sei für viele Familien eine Tragödie, für die Wirtschaft ein schwerer Nachteil.
Positiv, um noch einmal auf Kinsella zurückzukommen, sei nur zu verzeichnen, dass der Arbeitsmarkt flexibler geworden sei und die Wettbewerbsfähigeit der irischen Wirtschaft zugenommen habe. "Erholung? – Wir stecken noch ganz tief in der Klemme", war Kinsellas wenig optimischtes Fazit.
geschrieben von Eberhard Bort am 10.07.2010 um 13:55 Uhr.


