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News aus Irland
Papst entschuldigt sich mit "tiefem Bedauern" bei den Opfern
Kindesmissbrauch: Benedikt XVI. wendet sich in Hirtenbrief an irische Katholiken.
Papst Benedikt XVI. hat einen Hirtenbrief an die irischen Katholiken geschrieben, der sich mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester befasst. Die päpstliche Stellungnahme wurde am Samstag, den 20. März veröffentlicht. Der Hirtenbrief wurde in allen katholischen Kirchen Irlands verlesen. Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche ist in Irland seit langem ein Thema. Drei großangelegte Untersuchungsberichte haben das erschreckende Ausmaß des Skandals deutlich gemacht. Über Jahrzehnte hinweg hatten Priester und andere Kirchenleute ihre Schützlinge missbraucht – und die Kirche die Taten systematisch verdeckt. Vor wenigen Wochen waren die irischen Bischöfe noch nach Rom gereist, um mit dem Papst das Thema zu besprechen.
"Tiefes Bedauern" für "gravierende Irrtümer"
Nun also der Hirtenbrief. Darin entschuldigt sich der Papst mit "tiefem Bedauern" bei den Opfern für die "gravierenden Irrtümer", die sich die irische Kirche geleistet habe. An die Opfer und ihre Familien gewandt drückt der Papst "im Namen der Kirche offen die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen". Es werde ein schmerzhafter und langwieriger Prozess sein, um die Wunden nach dem tausendfachen Missbrauch zu heilen und die Kirche in Irland zu erneuern.
In dem Brief geht der Papst mit den Tätern und einigen Bischöfen ins Gericht, denen er Versagen vorwirft: "Erkennt eure Schuld öffentlich an, unterwerft euch der Rechtsprechung", lautet die Forderung des Kirchenoberhauptes an die Priester und Ordensleute, die Kinder missbraucht haben: "Ihr habt das Vertrauen, das von unschuldigen jungen Menschen und ihren Familien in euch gesetzt wurde, verraten und ihr müsst euch vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen Gerichten dafür verantworten."
Schwerwiegende Fehlurteile
Den irischen Bischöfen wirft der Papst vor, sie hätten dabei versagt, die seit langem bestehenden Vorschriften des Kirchenrechts zum sexuellen Missbrauch von Kindern anzuwenden. Nach den "schwerwiegenden Fehlurteilen" der Vergangenheit sollten die Bischöfe jetzt weiter mit den staatlichen Behörden kooperieren. Transparenz und Aufrichtigkeit müssten auch in der Kirche oberstes Gebot sein.
Er kündigt darüber hinaus eine formelle Untersuchung irischer Diözesen, Priesterseminare und religiösen Orden, die in den Skandal verwickelt sind, durch den Vatikan an.
Auf die Missbrauchsfälle in anderen Ländern geht der Hirtenbrief nicht ein, obwohl Missbrauchsfälle auch in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien, den USA, Frankreich, Polen, Kanada und Australien bekannt wurden. Die einzige Anspielung darauf, dass das Problem weit über Irland hinaus auf der Katholischen Kirche lastet, kommt in einer Passage des 20-seitigen Schreibens, in der Papst Benedikt erklärt, viele in Irland hätten etwas Wahres betont: dass nämlich "das Problem des Missbrauchs von Kindern weder ein irisches noch ein rein kirchliches ist".
Opfer enttäuscht
Der Brief, adressiert an die Opfer, die Eltern, die Bischöfe, Priester und alle irischen Katholiken, geht auch mit keinem Wort auf die Rücktrittsforderungen an den irischen Primas, Kardinal Seán Brady und andere Kirchenführer ein. Nicht nur deshalb zeigten sich die Opfer über den Hirtenbrief enttäuscht. Wie Andrew Madden, ein Sprecher der irischen Missbrauchsopfer, sagte, habe der Papst "die Rolle der katholischen Kirche bei der Vertuschung des sexuellen Missbrauchs von Kindern überhaupt nicht anerkannt". Er entschuldige sich für den Missbrauch anderer Leute und nehme keinen direkten Bezug auf die Vertuschungspraxis der Kirche. Die Leiterin der Opfergruppe ‘One in Four’, Maeve Lewis, fügte hinzu, der Papst hätte vor allem die Art und Weise verurteilen sollen, wie die Kirche den Missbrauch systematisch und über Jahre verdeckt habe.
Father Brian D’Arcy nannte es den “wirklichen Skandal”, dass die Verantwortlichen in der Kirche den guten Ruf der Kirche über den Schutz der Kinder gestellt hätten. Auch der Murphy-Report (über Kindesmissbrauch in der Diozöse Dublin) hatte fetsgestellt, dass es sich beim sexuellern Missbrauch von Kindern um ein “systemisches Versagen” der Kirche gehandelt habe.
Zwiespältige Reaktion in Deutschland
Kardinal Sean Brady dagegen gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Worte des Papstes zum Beginn einer Phase "der Wiedergeburt" in der irischen Kirche führen. Der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin betonte die Rolle der Kirche bei den Straftaten: "Der Papst erkennt das Versagen der kirchlichen Autoritäten in der Art und Weise, wie sie mit den schändlichen und kriminellen Taten umgegangen sind, an."
Die Reaktion in Deutschland war gespalten: Während der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, den Hirtenbrief auch als klare Botschaft an die deutsche Kirche wertete, kritisierte die "Initiative Kirche von unten", dass der Hirtenbrief bei "verbaler Betroffenheit" stehen bleibe.
geschrieben von Eberhard Bort/Foto: Hagen/pixelio am 25.03.2010 um 14:14 Uhr.


