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News aus Irland
Kirche vertuschte Missbrauch von Kindern durch Priester
Erzbischof von Dublin entschuldigt sich bei den Opfern: Ergebnisse des Reports sind schockierend.
Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, entschuldigte sich bei den Opfern. "Ich biete jedem einzelnen Überlebenden meine Entschuldigung, mein Bedauern und meine Scham an", sagte er, nachdem ein neuer Bericht, für dessen Zustandekommen er sämtliche Archive geöffnet hatte, Anschuldigungen gegen 46 Priester erhob, deren Missbrauch von Kindern durch vier irische Erzbischöfe gedeckt und vertuscht wurde. "Die Ergebnisse sind für uns alle schockierend." Der am 25. November vorgelegte Untersuchungsbericht über die Praxis der Kindesmisshandlung durch katholische Priester der Erzdiözese Dublin ("Report of the Commission of Investigation into the Catholic Archdiocese of Dublin") umfasst den Zeitraum von 1975 bis 2004. Erst vor einem halben Jahr hatte der Ryan-Bericht über Kindesmissbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche in Irland erschütternde Tatbestände bestätigt.
Auch in der Erzdiözese Dublin, der größten des Landes, war offenbar die Misshandlung von Kindern an der Tagesordnung. Und dies war durchaus bekannt. Aber nicht weniger als vier Erzbischöfe hielten jahrzehntelang ihre schützende Hand über die priesterlichen Verbrechen. Zwischen 1975 und 2004 seien allen amtierenden Erzbischöfen Missbrauchsvorwürfe bekannt gewesen, erklärte die von der Regierung vor drei Jahren eingesetzte Untersuchungskommission unter dem Vorsitz der Juristin Yvonne Murphy.
Misshandlungen im Zeichen des Kreuzes
Der Erzdiözese sei es beim Umgang mit den Fällen vordringlich um Geheimhaltung gegangen und darum, einen Skandal zu verhindern und den Ruf der Kirche zu schützen. "Alle anderen Erwägungen, darunter das Wohl von Kindern und Gerechtigkeit für Opfer, wurden diesen Prioritäten untergeordnet." Wenn sich Kinder beklagten, hätten Kirchenvertreter die Taten oft geleugnet und vertuscht. "Verdächtigungen wurde nur selten nachgegangen", heißt es.
Keiner der Erzbischöfe – John Charles McQuaid, der 1973 starb, Dermot Ryan, der 1984 starb, Kevin McNamara, der 1987 starb, und der Ruheständler Kardinal Desmond Connell – hätte Informationen über ihm bekannte straffällig gewordene Priester an die Polizei weitergegeben. Erst 1995 seien die ersten Beschwerden von der Kirche bei der Polizei gelandet.
Weder Knaben noch Mädchen waren sicher, Hunderte von ihnen wurden zu Opfern sexueller Belästigung im Beichtstuhl, Opfer von Misshandlungen unter Verwendung des Kruzifixes und erzwungenen sexuellen Handlungen unter Missbrauch des priesterlichen Vertrauensverhältnisses. Ein Priester räumt dem Bericht zufolge
ein, allein mehr als 100 Kinder missbraucht zu haben. Ein anderer gestand, sich über 25 Jahre hinweg jede zweite Woche an Minderjährigen vergangen zu haben.
Nach polizelichen Angaben sind derzeit 36 Strafverfahren gegen Priester anhängig. Viele sind aber längst gestorben, ohne dass sie sich je vor Gericht zu verantworten gehabt hätten.
"Wut und Ekel"
Aber nicht nur die Kirchenleitung blieb lange passiv, auch der Staat schaute weg. Der große Einfluss der katholischen Kirche auf der Insel habe verhindert, so der Untersuchungsbericht, dass der Missbrauch ans Tageslicht gekommen sei. Staatliche Behörden und vor allem die Polizei hätten ein zu vertraute Beziehungen zur Kirche gehabt. Verantwortliche bei der Polizei hätten Priester als außerhalb ihres Bereichs gesehen, und Polizisten hätten Beschwerden eher an die Kirche, als an ihre Dienstelle weiter geleitet. "Zu lange haben wir alle die Kirche als eine göttliche Institution gesehen", meinte die Irish Times in einem Kommentar.
Er habe die Enthüllungen mit einem "wachsenden Gefühl des Ekels und der Wut" gelesen, sagte Justizminister Dermot Ahern bei der Vorstellung des Berichts: "Die Erzdiözese hat sich absolut abstoßend verhalten. Sie hat sich nur um ihre eigenen Interessen gekümmert, nie um die Opfer." Die irische Regierung reagierte mit einer sofortigen Entschuldigung. Ungeachtet der historischen und gesellschaftlichen Gründe entschuldige sie sich für das Versagen staatlicher Stellen, Kinder in der Obhut der Kirche zu schützen, erklärte die Regierung. So etwas dürfe nie wieder passieren.
Kirche will Entschädigung zahlen
Die Erzdiözese Dublin will nun 20 Millionen Euro Entschädigung an Opfer und Hinterbliebene zahlen. Noch tiefer in die Tasche greifen die umstrittenen Christian Brothers: Die im Ryan-Bericht schwer angegriffene Bruderschaft hat ihren Opfern 161 Millionen Euro angeboten. Die Christlichen Brüder haben auch vor, Grundbesitz an Schulen abzutreten. Zugleich räumten sie in einer Stellungnahme ein: "Nichts, was wir sagen oder tun, kann ungeschehen machen, was geschehen ist."
Der gesamte Report – keine erbauliche, auf Advent einstimmende Lektüre – ist im Web zugänglich: www.justice.ie/en/JELR/Pages/PB09000504
geschrieben von Eberhard Bort am 30.11.2009 um 17:08 Uhr.


