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Kultur
Ulster Museum in Belfast erhielt ein teures Facelifting
Eröffnung mit großer Scully-Ausstellung. Drei Hauptzonen für Kunst, Natur und Geschichte.
Seit Oktober 2006 war das Ulster Museum im Botanischen Garten von Belfast für Besucher geschlossen. Nur Bauarbeiter hatten Zutritt, denn die beliebte Besucherattraktion erhielt ein 17 Mio Pfund teures Facelifting. Aber am Donnerstag, den 22. Oktober, ein paar Monate später als geplant, war es so weit: die ersten Besucher konnten sich im vollkommen neu gestalteten Ulster Museum umschauen.
Offen, licht und einladend
Von außen hat sich das Gebäude nicht wesentlich verändert. Aber innen hat eine Revolution stattgefunden. Die düstere Eingangshalle hat einer lichten, einladenden ‘Welcome Area’ Platz gemacht, die den Blick auf alle drei Ebenen des Museums frei gibt. Dieses 23 Meter hoch ragende Atrium heißt die Besucher willkommen.
Und obwohl sich am Grundriss des Museums nichts geändert hat, steht jetzt mehr als ein Quadratkilometer zusätzlicher Ausstellungsfläche zur Verfügung. Viele Gegenstände, die bisher in Lagern ein Schattendasein fristeten, können nun, so Museums-Kurator Jim McGreevy, ausgestellt werden: "Die Sammlungen können nun in einer viel frischeren und lebendigeren Art und Weise präsentiert werden."
Erstmals zu sehen sind beispielsweise eine Belleek-Porzellan-Kollektion, Keramik, Juwelierarbeiten und Skulpturen – und die erste Rekonstruktion eines Riesenhirschs in Irland.
Kunst, Natur und Geschichte
Das neue Ulster Museum ist in drei Hauptzonen gegliedert, nach den Themen Kunst, Natur und Geschichte. Jede Zone hat ihr interaktives Element, wo die Besucher jeden Alters Tuchfühlung mit Fossilien oder einem Elefantenschädel aufnehmen, historische Kostüme anprobieren oder ihre eigenen Kunstwerke kreieren können.
Dazu gibt es eine Aussichtsgalerie, von der aus man mit Ferngläsern die Natur und das Wild im Botanischen Garten beobachten kann. Auch die bekanntesten Ausstellungsstücke des Museums, wie die ägyptische Mumie Takabuti aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert und, Peter der Polarbär, das sechs Meter lange Skelett des Edmontosaurus oder die Scheibe vom Bann werden in neu gestalteter Umgebung gezeigt. Jedes Wochenende werden die Vogelschützer der RSPB Seminare zur Vogelbeobachtung im Museum anbieten.
Werkschau mit Gemälden von Sean Scully
Zur Eröffnung des Museums gibt es eine Werkschau des irischen Künstlers Sean Scully, die noch bis Februar 2010 gezeigt wird. Die riesigen Leinwände des Malers nehmen fast den ganzen obersten Stock in Beschlag. Insgesamt 60 Werke sind unter dem Titel ‘Constantinople or the Sensual Concealed: The Imagery of Sean Scully’ zu sehen.
Tim Cooke, der Chefmanager der National Museums of Northern Ireland, wies besonders auf diese "phantastische Kunstausstellung des international renommierten abstrakten Malers Sean Scully" hin, die, da war er sich sicher, zahlreiche Besucher aus Nordamerika und Europa anlocken werde. Er sagte, das Museum setze einen neuen Standard für kulturelle Einrichtung im Norden.
Das Renovierungsprojekt wurde vom nordirischen Kulturministerium mit 11,2 Mio Pfund finanziert; aus Lotteriemitteln kamen dazu noch einmal 4,7 Mio; und weitere 1,3 Mio wurden von Stiftungen und privaten Spendern eingesammelt.
Rund 8000 Quadratmeter Ausstellungsfläche
Das Ulster Museum wurde 1929 als Belfast Municipal Museum and Art Gallery gegründet – es öffnete auch damals am 22. Oktober erstmals seine Pforten. Auf nun rund 8.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche finden die Besucher bildende Kunst und Kunsthandwerk, sowie archäologische, völkerkundliche, botanische, zoologische und geologische Sammlungen.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Industrie- und Stadtgeschichte mit Exponaten aus mehreren Jahrhunderten. Hier stehe vor allem die Leinenindustrie und der Schiffbau im Mittelpunkt des Interesses. Und zur Abrundung beherbergt das Museum das aus einem 1588 vor der Küste Nordantrims gesunkenen Schiff der spanischen Armada geborgene Gold und Silber in der so genannten Armada-Galerie.
Das Gold und Silber der Armada
Die ‘Girona’, deren Kapitän Don Alonso Martinez de Levia in Killybegs in Donegal Schiffsreparaturen hatte durchführen lassen, war auf dem Weg nach Schottland, als sie am 26. Oktober 1588 vor Lacada Point auf ein Riff lief. Nur eine Handvoll der Besatzung überlebte und wurde von Sorley Boy McConnell sicher an Land gelotst.
Fast vierhundert Jahre lang blieb das Schiffswrack ungestört am Port na Spanaig, wie das Kliff im Andenken an die Armada genannt wurde. Aber 1967 wurden mehr als 12 000 Objekte aus dem Wrack geborgen, darunter ein Schatz, der aus den spanischen Kolonien stammte: Schmuck aus dem Gold der Neuen Welt, Kruzifixe, Ketten – und ein Goldsalamander, gespickt mit Rubinen.
Freier Eintritt ins Museum
Simon Calder vom englischen Independent war nach einem ersten Besuch im ‘neuen’ Ulster Museum voll des Lobs: "Wenn man den weißen Würfel des neuen Atriums betritt, fühlt man sich, als hätte man die neueste Galerie in Berlin oder Barcelona betreten. Stahl und Glas sind mit exzellentem Effekt und vielversprechend eingesetzt und laden zur Erkundung ein."
Das Ulster Museum, so hofft die Museumsverwaltung, wird schon bald mit neuen Besucherrekorden aufwarten können. Wie vor der Renovierung ist der Eintritt für das Museum auch nach seiner Runderneuerung frei.
geschrieben von Eberhard Bort am 26.10.2009 um 11:24 Uhr.


