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Kultur
Heinrich Böll und sein Zuhause auf den Achill Islands
Informativer Band über den Nobelpreisträger, der in Irland viele seiner Bücher schrieb.
Dieser kleine, feine Band enthält einen informativen Essay über Heinrich Bölls Beziehungen zu Irland, das er 1954 erstmals besuchte, und wo er auf Achill Island über lange Jahre hinweg immer wieder mit und ohne Familie lebte und arbeitete. Böll, der wie wenige andere Schriftsteller die deutsche Nachkriegsliteratur geprägt hat, flüchtet sich in den fünziger Jahren aus der Bundesrepublik, die von der Restauration und dem Vergessen befallen ist und in der es wieder "aufwärts" geht, auf die Insel am Rande Europas, wo man einenen anderen Zeitbegriff hatte, wo Armut weit verbreitet war, aber nicht als Makel galt, wo die (katholischen) Kirchen voll waren, wo das Leben sich im Pub abspielte und Geschichtenerzähler eine gesellschaftliche Sonderstellung einnahmen.
Ein Zuhause auf Achill
Die Leute und die Landschaft ziehen Böll in ihren Bann; 1955 fährt er mit der Familie erstmals nach Achill. Bald ist das Domizil in Dugort mehr als nur ein Ferienhaus an der Atlantikküste. Hier fühlt er sich, hier fühlt sich seine Familie bald wie zuhause. Insgesamt entstehen hier fast 70 literarische und journalistische Arbeiten des Autors. Und natürlich sind diese ersten Jahre die Inspiration und der Gegenstand des ‘Irischen Tagebuchs’, in dem er seine Annäherung an Irland beschreibt.
"Gut ist es, immer Kerzen, die Bibel und ein wenig Whiskey im Hause zu haben", schreibt Böll im ‘Irischen Tagebuch’, "wie Seeleute, die auf Sturm gefaßt sind; dazu ein Kartenspiel, Tabak, Stricknadeln und Wolle für die Frauen, denn der Sturm hat viel Atem, der Regen hat viel Wasser, ud die Nacht ist lang."
Romantisch verklärt?
Bernd Erhard Fischer zeichnet das Irland Heinrich Bölls einfühlsam nach, untersucht die Frage, ob der deutsche Autor auf seiner Suche nach einem Gegenentwurf für den Materialismus des Nachkriegsdeutschland die Iren und ihre Insel romantisch verklärte, wie er auf die Veränderungen Irlands in den Jahren seiner Aufenthalte reagierte, und warum er nach 1973 nur noch einmal kurz nach Achill kam.
Bölls Irland sei auch heute noch nicht ganz verschwunden, so der Autor, wenn auch die Jahrzehnte seit Bölls Tod im Jahr 1985 und vor allem die wirtschaftlich fetten letzten anderthalb Jahrzehnte die Insel in vielen Bereichen stark verändert haben. Das renovierte Böll-Cottage wahrt das Andenken an den deutschen Nobelpreisträger und ist, so Fischer, "ein kleines literarisches Zentrum mit großer Ausstrahlung" geworden.
Ein ansprechend gemachtes Bändchen – gespickt mit Originalzitaten und mit vielen Fotos illustriert, teils aus dem Böllschen Nachlaß, teils von Angelika Fischer.
Bernd Erhard Fischer, Das Irland des Heinrich Böll (Photographien: Angelika Fischer), Edition A-B-Fischer Berlin, 2009, €10.
geschrieben von Eberhard Bort am 22.10.2009 um 11:19 Uhr.


