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News
Nordirland
Terroristen der INLA erklären bewaffneten Kampf für beendet
Splittergruppe der IRA will auch Waffen abgeben. Für viele Morde verantwortlich.
Ein weiterer Schritt im Friedensprozess. Die Irish National Liberation Army (INLA) hat am Sonntag, den 11. Oktober, ihren bewaffneten Kampf gegen die britische Besatzung im Norden Irlands für beendet erklärt. Die Ankündigung wurde während einer Gedenkveranstaltung in Bray, Co Wicklow von Martin McMonagle aus Derry gemacht, einem führenden Mitglied der republikanisch-sozialistischen Bewegung (RSM), die sich aus der INLA, der Irish-Republikanisch-Sozialistischen Partei (IRSP), dem politischen Arm der INLA, sowie aus der Jugendbewegung RSYM zusammensetzt. Das Statement erfolgte während eines Besuchs der US-amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton in Irland. Sie führte in Belfast Gespräche mit Spitzenpolitikern über die Entwicklungen im Friedensprozess.
INLA-Entscheidung begrüßt
In der Erklärung heißt es, die INLA werde in Zukunft ausschließlich mit friedlichen Mitteln für eine sozialistische irische Republik eintreten. Zu diesem Schluß sei die Untergrundorganisation nach ausführlichen Debatten und Beratungen gekommen. Martin McMonagle fügte hinzu, dass sich seine Bewegung den Analysen der INLA anschließe und den Schritt zum Aufbau einer linken Partei mit dem Ziel einer "die 32 Grafschaften umfassenden sozialistischen Republik" auf den Grundsätzen von "Gleichheit, Gerechtigkeit, Würde und Menschenrechte" voll unterstütze.
Politiker in Nord- und Südirland und in Großbritannien begrüßten die Entscheidung der INLA. Allerdings hätten sie gerne auch gehört, dass die INLA konkrete Schritte zur Entwaffnung unternimmt. So sprach Sinn Féin-Präsident Gerry Adams von "Skepsis" angesichts der Geschichte der INLA.
Auch Nordirlandminister Shaun Woodward betonte, den Worten müssten jetzt auch Taten folgen. Nach offiziellen Quelle in Belfast hat die Organisation bereits Kontakt mit der internationalen Entwaffnungskommission unter General John de Chastelain aufgenommen.
Verantwortlich für 150 Morde
Die INLA wurde 1974 gegründet, nachdem es innerhalb der irisch-republikanischen Bewegung zu Zerwürfnissen um die Strategie und um ein sozialistisches Programm gekommen war. Die INLA verübte Anschläge gegen britische Soldaten und Polizisten, aber auch gegen Einrichtungen der NATO. 1979 tötete sie Airey Neave, einen engen Vertrauten der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Politische Gefangene der IRA sowie der INLA führten 1981 einen Hungerstreik, bei dem zehn junge Männer, darunter drei Aktive der INLA, starben. 1982 starben bei einem von ihr ausgeführten Anschlag auf einen Pub in der Grafschaft Derry 17 Menschen.
In den 1980er Jahren wurden zahlreiche Angehörige der INLA im Zuge innerer Streitigkeiten und durch die britische Armee getötet. Die INLA verlor mehr und mehr an Bedeutung. Seit elf Jahren hat sich die Organisation im Waffenstillstand befunden. Insgesamt ist die INLA für an die 150 Morde verantwortlich – darunter 39 zivile Opfer.
Clinton: Prozess abschließen
McMonagle verlas das Statement vor einer Gruppe von etwa 60 Personen bei der jährlichen Gedenkveranstaltung für den Gründer und ehemaligen INLA-Anführer Séamus Costello, der 1977 in Dublin erschossen wurde.
Die INLA-Erklärung erfolgte während des Besuchs der US-Außenministerin Hillary Clinton in Dublin und Belfast. Sie appellierte in ihrer Rede vor der Northern Ireland Assembly an alle am Friedensprozess Beteiligte, sich nicht durch gewalttätige Dissidenten vom Kurs abbringen zu lassen.
Sie würdigte den Friedensprozess in Nordirland als "Modell für Versöhnung" und sicherte der nordirischen Regierung die weitere Unterstützung der US-Regierung zu. Sie machte aber auch deutlich, dass, wenn es um die wichtige Frage der Übertragung von administrativen Kompetenzen bei Polizei und Justiz geht, dies eine Entscheidung des nordirischen Parlaments sei: "Ich hoffe sehr", sagte sie an die Adresse der Politiker, "dass Sie das vorgesehene Pensum erledigen können, um den Prozess abzuschließen."
geschrieben von Eberhard Bort am 13.10.2009 um 11:09 Uhr.


