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Der irische Autor Frank McCourt ist 78-jährig in New York gestorben
‘Die Asche meiner Mutter’ setzte Limerick auf die literarische Landkarte.
Im Alter von 78 Jahren starb am 19. Juli in New York der Schriftsteller Frank McCourt. Wie sein Bruder Malachy bekannt gab, hatte er in sich zu seiner Erkrankung an Hautkrebs auch noch eine Meningitis zugezogen. "Schlimmer als eine normale unglückliche Kindheit", hieß es in ‘Die Asche meiner Mutter’, sei "eine unglückliche irische Kindheit, und noch schlimmer die unglückliche irische katholische Kindheit." In dem autobiografischen Roman beschrieb McCourt seine schwere Jugend in Irland. Das Buch, das bisher in 40 Sprachen erschienen ist, wurde mit mehr als sechs Millionen verkauften Exemplaren zu einem Weltbestseller. Es wurde 1997 mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet.
Das Buch erschien übrigens zuerst in Deutschland, noch bevor eine englischsprachige Ausgabe auf den Markt kam. Harry Rowohlt übersetzte die Kapitel, wie sie McCourt ablieferte. Bei einer Lesung an der Buchhändlerschule in Frankfurt gab Rowohlt damals einen Vorgeschmack auf das Buch – ein "Geheimtipp", wie er meinte. Die deutschen Buchhändler wählten McCourt 1996 zum "Autor des Jahres". Sein Erstling wurde gleichzeitig zum "Buch des Jahres" gekürt.
Frank McCourt, ein "Spätzünder"
McCourt nannte sich selbst einen "Spätzünder" – er hatte jahrzehntelang Englisch unterrichtet, bevor er als 65-jähriger Pensionär mit dem Schreiben anfing. "Ich musste dieses Buch einfach schreiben", sagte er einmal, "sonst wäre ich weinend gestorben."
Der Autor wurde am 19. August 1930 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, als erstes von sieben Kindern. Während der amerikanischen Depression – der kleine Frankie war gerade mal vier Jahre alt – kehrten seine Eltern in ihre irische Heimat nach Limerick zurück, wo die Familie unter elenden Bedingungen lebte. Der Vater war Alkoholiker und vertrank den kläglichen Lohn, die Mutter konnte kaum die Kinder ernähren, drei Geschwister starben. Diese Erfahrungen hatte McCourt einfühlsam zu seiner Lebensgeschichte verarbeitet.
"Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, frage ich mich, wie ich überhaupt überlebt habe", schrieb er gleich im zweiten Absatz von ‘Die Asche meiner Mutter’. Frank muß betteln. Aber er hat einen Traum. Einen amerikanischen Traum. Zwischen seinen Bettelgängen, den Schlägen der Lehrer und den Nächten in der nassen Wohnung träumt er von einem Leben in den USA, wenn’s sein muß sogar hinter Gittern: "Im Gefängnis hat es jeder warm und bekommt dreimal am Tag was zu essen." Millionen Menschen waren von seinen Erinnerungen an die bitterarme Kindheit in Irland tief gerührt – auch im Kino, in Alan Parkers Filmversion von 1999 (mit Stars wie Robert Carlyle und Emily Watson).
Dreißig Jahre Englischlehrer
Zwei spätere Bücher über seine Rückkehr nach New York ("Ein rundherum tolles Land", 1999) und seine Zeit als Englischlehrer ("Tag und Nacht und auch im Sommer", 2005) wurden ebenfalls Bestseller. Im ersteren erzählt er von seinen Anfangsjahren in New York. Durch harte Knochenarbeit in Irland hatte er sich bis zu seinem 19. Geburtstag so viel Geld verdient, dass er sich nun die lang ersehnte Überfahrt in die USA leisten kann. Dort hält er sich zunächst mit Jobs als Putzmann, Fleischverlader und Pfleger von Kanarienvögeln über Wasser, bis die US-Armee ihn zum Militärdienst nach Bayern schickt (er hat diesen Lebensabschnitt einmal als seine "schönste Zeit" bezeichnet).
Zurück in den USA ermöglicht ihm die Army ein Studium für Englische Literatur, die ihm seine Lehrerkarriere ermöglicht. Von den fast 30 Jahren als Englischlehrer (33 000 Studenten gingen durch seine Schule) handelt der dritte Band seiner Erinnerungen.
Bescheiden, witzig und ironisch
Trotz seines Welterfolgs blieb McCourt bescheiden. Bei einer Lesung in Edinburgh in den späten neunziger Jahren zeigte er sich witzig und voller Selbstironie, ganz ohne Allüren und ohne jeglichen Dünkel. Auf seinen deutschen Übersetzer angesprochen, meinte er mit einem Schmunzeln, Harry Rowohlt sei ein "wilder Bursche". Er lebte mit seiner 24 Jahre jüngeren Frau Ellen abwechselnd in einer mit Büchern vollgestopften Wohnung in Manhattan und einem Wochenendhaus in Connecticut.
Der irische Kulturminister Martin Cullen nannte McCourt einen "meisterhaften Geschichtenerzähler". Kevin Kiely, der Bürgermeister von Limerick, der im Namen des Stadtrates noch ein Genesungsschreiben nach New York geschickt hatte, sagte, er sei "zutiefts traurig" über die Nachricht vom Tod "eines der talentiertesten und erfolgreichsten Söhne Limericks".
Touristen-Boom für Limerick
Nicht alle in Limerick waren immer glücklich über das Porträt ihrer Stadt in Frank McCourts 'Die Asche meiner Mutter' - nicht einmal in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts sei die Stadt so armselig und abweisend gewesen. Aber, wie Kiely, der sich zu den Fans von Frank McCourt zählt und ihn bei seinen Besuchen in Limerick des öfteren traf, betont, hat das Buch (und der Film) Limerick auf die literarische Landkarte gesetzt und der Stadt touristisch einen Boom beschert.
Und Frank McCourt für die Welle von Elendsmemoiren verantwortlich zu machen , die durch ‘Die Asche meiner Mutter’ losgetreten wurde, wäre zutiefst unfair. Was ihn und sein Buch im Gegensatz zu manchen Nachahmern auszeichnet, ist, auch angesichts der bestürzendsten Lebensumstände, der ironische Unterton: "Ich habe die Bedeutung meines eigenen unbedeutenden Lebens verstanden."
geschrieben von Eberhard Bort am 22.07.2009 um 10:13 Uhr.


