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News
Paddys Bücherecke
Atemberaubende Spannung mit deutsch-irischem Flair
Der Krimi entsteht beim Schreiben - Eberhard Bort über Veit Müllers Kriminalroman: "Zwischen den Zeilen lauert der Tod"
DIF-Vize Veit Müller hat seinen ersten Krimi verfasst. Der Reutlinger General-Anzeiger spricht von einem "ambitionierten Plot". Eberhard Bort, Dozent in Edinburgh, hat den Roman gelesen. Hier seine Meinung dazu.
Luka Blum hat einen Krimi geschrieben. Aber laut seinem Kumpel, seines Zeichens Literaturwissenschaftler und Krimi-Fan, ist das Werk zu blutleer: "Es muß mehr Blut fließen." Also noch’n Mord, und diesmal Frisch ans Werk mit viel Dornfelder, und mit einem Messer, und mit viel Blut…
Luka, der Pfälzer, der in Tübingen gerade ins Schwabenalter gekommen ist, schreibt als Journalist für die Lokalpresse. Der Krimi ist sein erster Versuch als Schriftsteller. Doch kaum hat er die blutige Mordepisode in den Computer getippt, liegt eine junge Frau in ihrem Blut im Bett – ermordet, genau wie von Luka beschrieben. Was geht da vor? War er es selbst? Ein Anfall von Schizophrenie? Immerhin hat er die Tote gekannt – sie war einst Volontärin bei seinem Blatt, und sozusagen unter seinen Fittichen. Oder führt jemand brutal aus, was er sich nur ausdenkt? Aber wie – und wieso? Und wer? Als dann auch noch eine ehemalige Freundin überfallen wird, ganz wie er es in einer neuen Krimiszene entworfen hatte, und sich ein anonymer Anrufer meldet, der sich brüstet, die Geschichte für ihn weiter geschrieben zu haben, steht fest: ein Mörder treibt ein fieses und finsteres Spiel mit Luka.
Vorliebe für Dornfelder und Guinness
Der braucht erst mal ein Guinness im Tübinger Irish Pub, denn er teilt mit Autor Veit Müller nicht nur seine Vorliebe für Dornfelder (und Pfälzer Wein), sondern auch für die grüne Insel und deren schwarzes Gold. Und dann ist da auch noch die sommersprossige Irin Nelly, die es ihm angetan hat. Sie vesteht auch was von Computern – und kennt da einen, der noch mehr davon auf der Pfanne hat. Nelly und Luke gehen derweil die Liste der möglichen Täter durch – vielleicht ist es ja ein Zeitgenosse, dem der Journalist mal in die Quere gekommen ist? Der Regisseur, dessen Theaterinszenierung er verissen hatte? Der ehemalige Sportler, über dessen Jakettdiebstahl er mit Namensnennung berichtet hatte? Gar die Oberbürgermeisterin, die sich über ihn bei der Redaktion beschwert hatte? Oder etwa der Drogendealer, dessen Dämlichkeit er mit Hohn und Spott überzogen hatte?
Bald entspinnt sich ein packender Wettlauf zwischen Luke und Nelly und dem Täter. Zum Showdown kommt es in Reutlingen, wo in zwei rasanten Kapiteln der Unterschied zwischen Handlung und Beschreibung aufgehoben scheint. Der Krimi entwickelt sich beim Schreiben. Im Grunde eine Binsenweisheit – aber hier wörtlich und atemberaubend umgesetzt. Die Auflösung gibt’s dann im Tübinger Polizeipräsidium.
Gelungener Einstand als Krimiautor
Veit Müller, dessen Luka Blum mit einigem autobiografischen Kolorit ausgestattet ist, feiert mit Zwischen den Zeilen lauert der Tod einen gelungenen Einstand als Krimiautor – sein Regionalkrimi vor der Kulisse von Tübingen, Reutlingen, Bebenhausen und der Alb, komplett mit deutsch-irischer Beziehungskiste, ist höchst unterhaltsame Lektüre. Natürlich schuldet Luka uns noch den Krimi, den er geschrieben hat – wir haben ja ‘nur’ den Krimi, der beim Schreiben des Krimis entstanden ist… "Schreibst du deine Geschichte weiter," fragt ihn Nelly am Ende. "Nein, das war’s. Ich habe genug. Jetzt ist Schluss," sind Lukes letzte Worte. Sind es auch die von Veit Müller? Surely not?!
Veit Müller, Zwischen den Zeilen lauert der Tod, Reutlingen: Oertel + Spörer, 2006,
geschrieben von Eberhard Bort am 12.11.2007 um 19:18 Uhr.


