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News
Nordirland
Rassismus in Nordirland nimmt stark zu
Mehr als hundert rumänische Flüchtlinge wurden aus ihren Wohnungen vertrieben.
Rassismus ist in Europa weit verbreitet. Auch wenn rassistische Übergriffe nur von einer verschwindend kleinen Minderheit begangen werden. Jetzt sorgte ein Ereignis in Süd-Belfast für weltweite Schlagzeilen. Nach Drohungen und Gewaltakten mussten 100 Rumänen umquartiert werden. Die meisten haben mittlerweile Nordirland den Rücken gekehrt.
Über 1000 Delikte mit rassistischem Hintergrund
Was in Belfast geschah, erinnerte frappant an die schlimmsten Tage der ‘Troubles’. "Ethnische Säuberung" – vor nicht allzulanger Zeit entlang religiöser Trennungslinien, jetzt also gegen Immigranten. Die meisten der Rumänen waren Roma.
Rassismus wird zunehmend zum Problem in Nordirland. Als die Polizei erstmals rassistische Kriminalität in Nordirland registrierte – das war 1996 – waren es 41 Delikte im Jahr. Letztes Jahr waren es bereits über 1000 solcher Delikte. Zum Teil kann dieser Anstieg mit der Zunahme ethnischer Minderheiten in Nordirland erklärt werden. Nach dem Belfaster Abkommen und dem Ende der ‘Troubles’, und dann vor allem nach der EU-Osterweiterung bekamen die bereits etablierten "immigrant communities" der Chinesen, Inder und Vietnamesen zunehmend Gesellschaft aus aller Welt.
"Kultur der Intoleranz"
Aber es wird auch der Verdacht gehegt, dass das Erbe der Troubles, die "Kultur der Intoleranz", zu dem Klima beiträgt, in dem rassistische Gewalt sich entwickelt.
Dass die Behörden so schnell mit der Umsiedlung zur Hand waren, gab Anlass zur Kritik. Wenn sich staatliche Behörden und Sicherheitsorgane in eine Rolle drängen lassen, die eher an UN-Friedenshüter im Balkan erinnere, gerieten sie in Gefahr, den Rassisten mehr zu helfen als den Opfern.
Insgesamt 114 Rumänen wurden in provisorischen Quartieren untergebracht. Während die Angreifer, mit wenigen Ausnahmen, frei und ungezwungen in ihren Wohnungen leben – in dem Bewusstsein, dass es 114 Rumänen weniger in der Nachbarschaft gibt.
Loyalisten als Drahtzieher?
Die UDA bestritt derweil vehement, etwas mit den Übergriffen zu tun gehabt zu haben. Weil die Rumänen in Straßenzügen wohnten, in denen loyalistische Gruppen erheblich Unterstützung finden, und es in der Vergangenheit Verbindungen zwischen diesen und faschistischen Gruppen wie Combat 18 gegeben hat, waren sie als erste in Verdacht geraten.
Allerdings glaubt auch die Polizei, dass die loyalistischen Organisationen nicht die Drahtzieher waren. Warum also die Panikreaktion mit der Massenumsiedlung. Gibt es, fragte Jim Fitzpatrick von der BBC, in Belfast inzwischen Organisationen, die noch gefährlicher sind als die UDA?
Nun haben die meisten der Rumänen, die aus ihren Häusern fliehen mussten, Nordirland verlassen. Nur noch 14 von ihnen sind in Nordirland geblieben. Ein Notfond hilft mit den Flugkosten nach Rumänien. Die nordirische Sozialministerin Margaret Ritchie (SDLP) sagte, sie bedauere die Entscheidung der Rumänen, das Land zu verlassen, zutiefst.
Kirche attackiert
Unterdessen wurde die Kirche, die den Familien Asyl bot, attackiert. Wie Malcolm Morgan, der Pastor der City Church in der University Avenü, sagte, wurden zehn Fenster eingeschlagen. Die Kirche hatte mehr als dreißig Jahre der ‘Troubles’ ohne Schaden überstanden.
Drei Männer im Alter zwischen 15 und 21 Jahren wurden von der Polizei als Tatverdächtige der Übergriffe zwischen 11. und 15. Juni verhaftet.
geschrieben von Eberhard Bort am 24.06.2009 um 19:04 Uhr.


