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New-York-Roman von von Joseph O'Neill ausgezeichnet
Der irische Autor erhält für "Netherland" den mit 15 000 Euro dotierten Kerry Group Fiction Prize.
Traditionellerweise wird bei der Listowel Writers’ Week im Mai der mit 15 000 Euro dotierte Kerry Group Fiction Prize vergeben. Dieses Jahr ging die Auszeichnung an ‘Netherland’ von Joseph O’Neill, vor Ort überreicht vom irischen Schauspieler Gabriel Byrne. Für O’Neill, der vor 45 Jahren in Cork geboren wurde und seit zehn Jahren in Manhattans berühmtem Chelsea Hotel lebt, ist es bereits der zweite Grund zur Freude innerhalb eines Monats – vor kurzem hatte sich Präsident Obama in der New York Times lobend über den Roman ausgelassen, was seine Verkaufszahlen in den USA in die Höhe schnellen ließ. Sein Verlag, Vintage, zog die Taschenbuchausgabe um einen Monat vor und druckte gleich noch einmal 70 000 Extra-Exemplare des Buchs.
Ein witziges und trauriges Stück Prosa
Der Roman von Joseph O’Neill konnte sich gegen ein starkes Feld von Konkurrenten durchsetzen. Nominiert waren neben ‘Netherland’ der bereits mehrfach ausgezeichnete Roman ‘The Secret Scripture’; von Sebastian Barry, ‘Molly Fox’s Birthday’ von Deirdre Madden, der im Deutschland der Nachkriegszeit spielende Roman ‘Disguise’ von Hugo Hamilton (‘Legenden’, Luchterhand, €19,95) und ‘John the Revelator’ von Peter Murphy (erscheint im August auf Deutsch unter dem Titel ‘Ich, John’, €12,90).
‘Netherland’, das mittlerweile auch auf Deutsch vorliegt – ‘Niederland’, Hanser, €19,90 – wurde von der New York Times als "das witzigste, zornigste, genaueste und traurigste Stück Prosa" über New York nach dem Kollaps der Twin Towers charakterisiert.
In dem Buch erzählt Hans von Broek, in Holland geborener und in London aufgewachsener Banker, der mit Frau und Kind während der Terrorattacken auf das World Trade Centre in New York lebt, über die Krise seiner Familie, teilweise durch die Folgen des terroristischen Anschlags ausgelöst, und wie er über seinen Lieblingssport, das so unamerikanische Cricket und die Gemeinschaft von Immigranten im ‘Niederland’ New Yorks, die sich mit dem Spiel identifizieren, einen neuen Sinn für ‘Heimat’ entwickelt.
Panoptikum an Charakteren
Das Buch besticht durch seine Mischung aus scharfsinniger, von Melancholie geprägter Reflektion und dem Panoptikum an Charakteren, die das Chelsea Hotel bevölkern. Große Themen klingen an, wurzeln aber in der persönlichen Beobachtung des Erzählers.
Extra aus New York zur Preisvergabe eingeflogen, zeigte sich Joseph O’Neill hoch erfreut über die Auszeichnung, zumal er ganz in der Nähe in Ballybunion gelernt habe, seiner zweiten sportlichen Passion zu fröhnen: Golf.
Seiner Vorliebe für Cricket geht er wie sein Romanheld in New York nach. Aber, wie O’Neill in Listowel hervorhob, es gibt in der irischen Literatur durchaus eine Tradition, über Cricket zu schreiben. Er erinnere sich besonders an die Passagen aus dem Werk von James Joyce, aber auch Samuel Beckett habe den Sport in sein Werk einfließen lassen.
geschrieben von Eberhard Bort am 04.06.2009 um 18:22 Uhr.


