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News aus Irland
Trotz Gewinneinbruch fliegt Ryanair noch in der Gewinnzone
Hohe Treibstoffkosten setzen Billigflieger zu. Michael O’Leary hat Lufthansa im Visier.
Eigentlich fliegt Ryanair immer noch in der Gewinnzone – wenn auch in deutlich bescheidenerem Rahmen: Im Vorjahr hatte Ryanair noch einen Gewinn von 391 Millionen Euro ausgewiesen. Für das Geschäftsjahr von April 2008 bis März 2009 meldet Ryanair einen Gewinneinbruch von 78 Prozent auf nunmehr 105 Mio Euro. Insgesamt aber brockten hohe Treibstoffkosten sowie massive Abschreibungen bei den Aer Lingus-Anteilen im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende März einen Verlust von 169 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen am 2. Juni in Dublin mitteilte.
Expandierendes Streckennetz – steigende Umsätze
Ryanair hat mit dieser Jahresbilanz bedeutend besser abgeschnitten, als es Experten erwartet hatten. Während die Konkurrenz in der Krise den Gürtel enger schnallen muss, so Ryanair-Chef Michael O’Leary, profitiere Ryanair, indem es mit seinen Billigangeboten den anderen den Rang ablaufe.
Dank des weiter expandiertenden Streckennetzes von Ryanair wuchs der Umsatz des Billigfliegers trotz der Wirtschaftskrise um acht Prozent auf mehr als 2,9 Milliarden Euro. Dazu trugen auch die Einnahmen aus Zusatzgeschäften (z.B. Vermittlung von Mietwagen) bei, die inzwischen gut 20 Prozent der gesamten Erlöse ausmachen. Der Umsatz aus dem Ticketverkauf legte hingegen nur um gut fünf Prozent zu, während die Zahl der beförderten Fluggäste um 15 Prozent auf 58,5 Millionen stieg. Dies führte Ryanair-Chef Michael O’Leary auch auf die im Schnitt um acht Prozent gesunkenen Ticketpreise zurück.
Gescheiterte Aer Lingus-Übernahme war kostspielig
Die Treibstoffkosten der Airline explodierten, wie O’Leary erklärte, um 59 Prozent auf insgesamt 466 Millionen Euro. Auch der gescheiterte Versuch, den irischen Mitbewerber Aer Lingus zu übernehmen, kostete Ryanair ein erkleckliches Sümmchen. Infolge des Aktienkurs-Sinkflugs der ehemaligen Staatsfluglinie Irlands musste Ryanair, im Besitz von 29,8 Prozent des Aer Lingus-Aktienkapitals, auf seine Beteiligung 222 Mio Euro abschreiben. Jetzt steht Aer Lingus mit nur noch 93 Mio Euro in den Büchern des Billigfliegers.
Für das laufende Geschäftsjahr 2009/10 rechnet Ryanair mit der Verdoppelung des im angelaufenen Geschäftsjahres erzielten Gewinns. Gegen hohe Treibstoffpreise hat sich Ryanair bis Ende 2009 bereits weitgehend mit Preissicherungsgeschäften gewappnet. Die Zahl der Fluggäste will die Gesellschaft um weitere 15 Prozent auf 67 Millionen steigern.
Die Ticketpreise dürften nach Einschätzung O’Learys wegen der Wirtschaftskrise, wegen des schwachen britischen Pfunds und wegen des weiteren Streckenausbaus um 15 bis 20 Prozent fallen.
Ernsthafter Blick auf Lufthansa
Ryanair will im kommenden Geschäftsjahr in Deutschland erstmals mehr als zehn Millionen Passagiere befördern. Im Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr hätten knapp neun Millionen Kunden die mittlerweile zehn deutschen Ryanair-Flughäfen genutzt. Hoffnungen setzt das Unternehmen nun auf den neuen Standort in Memmingen.
Auch weitere Übernahmen schließt Michael O’Leary nicht aus. "Wir werfen gerade einen ernsthaften Blick auf Lufthansa. Wir könnten für Lufthansa praktisch bar bezahlen", sagte er während der Pressekonferenz in London: "Wir haben keine unmittelbaren, konkreten Pläne für ein Übernahmeangebot, aber es ist die einzige unter den anderen drei großen Luftlinien, an der wir interessiert wären."
geschrieben von Eberhard Bort am 04.06.2009 um 18:10 Uhr.


