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News aus Irland
Große Demonstration in Limerick gegen brutale Bandenkriminialität
Über 5000 Menschen gingen gegen die "cruel, heartless monsters" auf die Straße.
Am Sonntag, den 10. Mai, beteiligten sich 5000 Menschen in Limerick an einem Protestmarsch gegen die Bandenkriminalität in ihrer Stadt. Organisator war Steve Collins, dessen Sohn Roy am 9. April ermordet worden war. Verteidigungsminister Willie O’Dea kündigte eine Kabinettsvorlage zur Verschärfung der Gesetze gegen kriminelle Banden an. Tausende standen am Merchant’s Quay zu einer Schweigeminute, während ein Uillean Piper Limerick’s Lament spielte. Bei der abschließenden Kundgebung vor dem Rathaus sagte Steve Collins, seine Familie habe zu dieser Demonstration eingeladen, um den "Schurken" eine Botschaft zu schicken, die ihr Leben zerstört hätten.
"Mit Eurer Teilnahme heute", rief er den Demonstranten zu, "habt Ihr gesprochen und gesagt: Wir haben genug von den Unterweltkreaturen, die sich in unsere Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür hineingfressen haben, ein Krebs, der herausgeschnitten werden muß."
Er forderte neue Gesetze, und unter dem heftigen Beifall der Massen sagte er, dass die Internierung es ermöglichen würde, 50-100 Mitglieder krimineller Banden von den Straßen Limericks zu verbannen.
"Grausame, herzlose Monster"
Limericks Bürgermeister John Gilligan bezeichnete die Gangster als "grausame, herzlose Monster". Er dankte den Teilnehmern der Kundgebung für ihre Courage. Die Bevölkerung der Stadt, sagte er unter großem Beifall, seien nicht bereit, denen, die "die Todesstrafe in unseren Straßen eingeführt haben", zu erlauben, ihren Terror fortzusetzen.
Auch Martin Fitzgerald, der Vater des ermordeten Türstehers Brian Fitzgerald, der erschossen wurde, weil er Drogenhändlern den Zutritt zu seinem Nachtclub verwehrt hatte, nahm an der Kundgebung teil. Seine ganze Familie sei gekommen, um Solidarität mit Steve Collins zu zeigen – "denn wir wissen, was er und seine Familie durchmachen." Das gleiche galt für Tony Geogheghan, den Onkel des ermordeten Rugbyspielers Shane Geoghegan, der am 9. November des letzten Jahres Opfer einer Verwechslung geworden war.
Es hatte viele Spekulationen im Vorfeld gegeben, wie viele Bürger sich angesichts der Bedrohung durch die Banden trauen würden, an der Demonstration teilzunehmen. "Auch wenn ich nur allein zur Citry Hall marschiert wäre", so Steve Collins, "hätte ich dies im Gedenken an meinen Sohn getan, einen Monat nach seiner Ermordung."
"In Umständen, da öffentliche Trauer gleichermaßen eine Heldentat wie ein Akt des Trostes sein kann", schrieb Ruadhan MacCormaic im Irish Examiner, "hatten Skeptiker in Limerick erwartet, dass Furcht und Überdruss die Zahl seiner Mitstreiter in Grenzen halten könnte." Doch dann war der Platz vor der City Hall dicht gefüllt, und viele der 5000 waren in grellem Munster-Rot erschienen, wie es Collins gewünscht hatte.
Neue Gesetze gegen Bandenkriminalität
Willie O’Dea hatte von vielen gehört, die aus Angst vor Heckenschützen zuhause geblieben seien, und war positiv überrascht über die Menge. Er sagte, zwei neue Straftatbstände – Anführung einer kriminellen Bande und Mitgliedschaft in einer solchen Bande – seien Teil des Pakets von neuen Maßnahmen, die dem Kabinett vorgelegt würden, um die Bandenkriminalität in die Schranken zu verweisen. Er hoffe, die neuen Gesetze können noch vor der Sommerpause im Dáil verabschiedet werden.
Außerdem scheint, so ließ Justizminister Dermot Ahern in Dublin verlauten, der Generalstaatsanwalt den Weg für Sondergerichte frei gemacht zu haben, die sich speziell mit diesen Tatbeständen auseinandersetzen sollen. Allerdings gehöre die Internierung von Verdächtigen im Bandenmilieu nicht zu den vorgeschlagenen Schritten.
Aber die Höchstrafe für die Mitgliedschaft in einer kriminellen Gang soll 15 Jahre betragen. Es soll auch das Strafmaß für Einschüchterung von Zeugen verschärft werden. Zum ersten Mal dürften seit dem in diesem Monat im Dáil vorgelegten Überwachungsgesetz die von der Polizei per Überwachung und Abhörung gesammelten Daten als Beweis im Gerichtsverfahren benutzt werden.
Interntionaler Drogenhandel
Limericks Bandenkriege reichen weit zurück. Die Familien Keane und Ryan und Mitglieder zweier weiteren Familien hatten sich in den ‘90er Jahren als tonangebende Drogenschmugglerbande in Limerick etabliert. Doch dann kam es zum Bruch. Eddie Ryan wurde im November 2000, Kieran Keane Anfang Februar 2003 erschossen.
In Limerick, schrieb John Cusack damals im Irish Independent, verbinden sich Nachbarschaftsfehden mit den Ausläufern des internationalen Drogenhandels und der Drift von Ex-Republikanern in die organisierte Kriminalität. Obwohl Limerick nur etwa 100 000 Einwohner hat, verzeichnet es eine abnorm hohe Zahl an Morden und hat unter allen urbanen Regionen Irlands die höchste Zahl von Polizisten pro Kopf der Bevölkerung.
Doch sei, so Cusack weiter, die Gewaltkriminalität auf die kleinen Stadtteile Ballyeely und Ballynanty im Norden der Stadt begrenzt, wo nur etwa 10-15 000 Menschen leben. Damals meinte Willie O’Dea, dass die überwiegende Mehrheit der Bewohner von Limerick nichts über die Leute wüssten, die in diese Gewaltspirale verwickelt seien. Cusack: "Die Gewalt hat keinen Einfluss auf das normale Leben der Stadt."
Bürger wollen ihre Stadt zurück
Das war 2003. Und das gerade scheint sich in den letzten Jahren geändert zu haben. Die Gewalt ist nicht in ihrem Ghetto geblieben. Sie hat Unschuldige wie Brian Fitzgerald, Shane Geoghegan und Roy Collins getroffen.
Deshalb die Demonstration am 10. Mai. Und die Hoffnung, dass die Politiker nicht nur über neue Gesetze reden, sondern dass diesmal Taten folgen. Die Bürger von Limerick, so die deutliche Botschaft der Kundgebung, wollen ihre Stadt zurück haben, in der sie in Frieden leben können, ohne ständig über die Schultern blicken zu müssen.
geschrieben von Eberhard Bort am 13.05.2009 um 09:11 Uhr.


