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Paddys Bücherecke
Paddys Buchtipps: "Glennkill" von Leonie Swann
Ein witziger, spannender und ironischer Krimi, in dem eine Schafherde einen Mörder sucht!
Katzen als Detektive? Hunde? Alles schon da gewesen. Aber Schafe? Die Münchnerin Leonie Swann hatte die originelle Idee, eine Schafherde ermitteln zu lassen. Aber nicht irgendwelche Schafe, nein: irische Schafe! Und mit durchschlagendem Erfolg – nicht nur in Deutschland. Leonie Swanns Roman ist bereits in mehrere Sprachen übersetzt worden.
Die Herde steht zunächst ratlos in der Runde. Ihr Schäfer, George Glenn, liegt mausetot im saftigen irischen Gras, mit einem scharfen Spaten in der Brust. Maud, ein besonders scharf- und geruchsinniges Schaf, und der Leitwidder Sir Ritchfield, nicht mehr der Jüngste, mit löchrigem Erinnerungssinn und schon ein bißchen schwerhörig, beschließen, die Suche nach dem Mörder selbst in die Hufe zu nehmen. Denn, wie Sir Ritchfield messerscharf bemerkt: "Spaten sind keine Krankheit." George war zwar, da sind sich die Schafe einig, kein herausragender Schäfer (hatte er sich nicht Pullover von Schafen in Norwegen schicken lassen?!), aber er war doch "ihr" Schäfer. Und niemand hatte das Recht, ihn mit einem Spaten abzustechen. "Das ist Wolferei, das ist Mord!"
Miss Maple ermittelt
Da hilft es, daß mit Miss Maple ein kriminologisch tickendes Schafhirn die Herde ziert. Und es erweist sich auch als vorteilhaft, daß George, als er noch lebte, seiner Herde regelmäßig vorlas, Feengeschichten, Liebesromane, einmal sogar einen halben Krimi. So trifft der Fall die Herde nicht ganz unvorbereitet. Und was für ein Team sich nun zu erkennen gibt: Miss Maple zur Seite steht Othello, ein wagemutiger schwarzer Hebridenwidder mit vier Hörnern, der eine bewegte Jugend im Dubliner Zoo verbracht hat, und Mopple the Whale, ein gefräßiges Wollknäuel von Merinowidder mit sensationellem Gedächtnis. Dazu die Jungschafe Heide und Maisie, noch etweas grün hinter den Ohren, das prächtige Wollwunder Cloud, der kluge Fosco, die pfeilschnelle und clevere Lane und die schwarzköpfige Zora…
Eifersuchtsdrama oder Rauschgiftmafia? Langsam gelingt es den kriminalistischen Wollnasen, Licht ins Dunkel des Geschehens zu bringen. Dabei lernen wir nicht nur einiges über die Welt der Schafe, sondern gewinnen auch einige skurrile Einblicke in die Menschenwelt aus der Schafsperspektive.
Geistreiche Parodie
Ein Krimi aus Sicht der Schafe – kann das gut gehen? Schafslogik? Miss Maple als die Witterung aufnehmende wollige Miss Marple? "Glenkill" ist eine aberwitzige Komödie, die funktioniert, weil die Schafe nicht allzusehr vermenschlicht werden, sondern durchaus tierisch ermitteln. Was die 30-jährige Leonie Swann da in ihrem Erstlingsroman produziert hat, ist ein unterhaltsams kleines Schatzkästlein, "eine geistreiche Parodie auf das gängige Krimi-Genre und seine traditionellen Strickmuster". (Die Welt)
Wer es 'hard-boiled' liebt, zynisch und mit Orgien von Gewalt, der wird über dieses "tierisch gute" Buch nur milde lächeln können. Wer ein leichtes und unterhaltsames, warmherziges und witziges, spannend und ironisch erzähltes, manchmal auch tiefsinniges Buch sucht, voller überraschender Beobachtungen und Vignetten, dem sei "Glennkill" zur idealen Sommerlektüre empfohlen. Oder zum lauten Vorlesen, falls eine Schafherde in der Nähe weidet. Das mögen sie nämlich. Und sollten die Wollknäuel nur Englisch verstehen – auch kein Problem. Glennkill ist seit Juni auch in englischer Sprache greifbar.
Leonie Swann, Glennkill, München: Goldmann, 2005, gebundene Ausgabe, 17.90 Euro.
Leonie Swann, Three Bags Full. London: Doubleday, 2006, gebundene Ausgabe, £12.99.
geschrieben von Eberhard "Paddy" Bort am 11.09.2006 um 20:04 Uhr.


