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Polizistenmord versetzt Nordirland in einen Schockzustand

Katholische und protestantische Politiker verurteilen Anschlag einhellig. Continuity IRA für Tat verantwortlich.

Polizistenmord versetzt Nordirland in einen SchockzustandWird etwa doch ein neues Kapitel der ‘Troubles’ aufgeschlagen? Zwei Tage nach dem brutalen Mordanschlag auf britische Soldaten in Co Antrim, für den die Real IRA die Verantwortung übernahm, wollte offensichtlich die andere republikanische Splittergruppe ‘Continuity IRA’ sich auch eine Heldentat ans Revers heften. Sie übernahm die Verantwortung für den ersten Polizistenmord in Nordirland seit über zehn Jahren.

In einen Hinterhalt gelockt


Das Opfer in Craigavon, Co Armagh am Montagabend war der 48-jährige Constable Stephen Paul Carroll aus Banbridge. Zusammen mit einem Kollegen war er per Anruf ins nationalistische Wohnviertel Lismore Manor gelockt worden, um verdächtigen Geräuschen nachzugehen. Er saß im Auto, während sein Kollege sich umsah, und wurde offenbar aus nächster Nähe in den Kopf geschossen – exekutiert.

In einer verschlüsselten Botschaft teilte die Continuity IRA(die sich 1986 von der IRA abspaltete, als diese ihren Boykott des irischen Parlaments aufgab) mit, sie habe den Anschlag ausgeführt: "So lange es britische Einmischung in Nordirland gibt", heißt es darin weiter, "werden diese Anschläge anhalten."

Die Continuity IRA lehnt alle Friedensabkommen ab, die keine Vereinigung von Nordirland und Irland in einem Staat vorsehen. Mit ihrem Namen macht die Splittertruppe ihren Anspruch geltend, dass sie am ursprünglichen Ziel der IRA, die Briten aus Nordirland hinauszudrängen, festhält.

Gedenkminute im Parlament

Nordirlands oberster Polizist, Chief Constable Sir Hugh Orde, sagte, der Anschlag sei die Bestätigung dafür, dass "eine kleine Gruppe von Leuten, die entschlossen ist, den riesigen politischen Fortschritt zu zerstören, noch gefährlicher geworden ist". Er appellierte an die Menschen in Nordirland, die Polizei bei der Verfolgung der Kriminellen zu unterstützen.

Im nordirischen Parlament verdammten alle Parteien den Anschlag auf die Soldaten in der Massareene-Kaserne. Auch sie forderten unisono die Bevölkerung auf, der Polizei zu helfen, um die Täter dingfest zu machen. Gemeinsam legten alle Parteien eine Gedenkminute für die Opfer ein.

Friedensprozess unerschütterlich

Die beide Regierungschefs, Peter Robinson und Martin McGuinness, traten gemeinsam vor die Presse, um den neuen Anschlag auf die Polizei zu verdammen. Der britische Preemierminister Gordon Brown war am Montagvormittag persönlich nach Belfast gekommen, um am Tatort seine Solidarität auszudrücken und um die Parteichefs zu treffen und erneut zu versichern, dass es den Terrorgruppen nicht erlaubt werden würde, den Friedensprozess zum Entgleisen zu bringen. Das Engagement für den Frieden aller Parteien und der Regierungen in Dublin, Belfast und London sei "unerschütterlich", betonte er. Die öffentliche Meinung verdamme die Killer, und die Politiker stünden zusammen, um den Erfolg des politischen Prozesses zu garantieren.

Die beiden Anschläge haben in Nordirland Entsetzen ausgelöst. Könnten mit einander konkurrierende terroristische Splittergruppen eine neue Spirale der Gewalt auslösen? Stehen wir vielleicht sogar am Beginn eines neue Kapitels der ‘Troubles’, nach über einem Jahrzehnt an relativem Frieden?

Was trotz alledem optimistisch stimmt, ist die einhellige Reaktion des gesamten politischen Spektrums, von der DUP bis zu Sinn Féin. Der örtliche Sinn Féin-Abgeordnete John O’Dowd verurteilte die Morde umgehend und sprach den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus – auch Gerry Adams bekräftigte noch einmal seine Forderung, dass Republikaner die nordirische Polizei auf der Suche nach den Mördern unterstützen sollen.

geschrieben von Eberhard Bort am 11.03.2009 um 15:57 Uhr.


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