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Mordanschlag auf zwei britische Soldaten in Nordirland

IRA-Splittergruppe soll für Tat verantwortlich sein. Robinson: "Eine schreckliche Erinnerung an die Vergangenheit".

Mordanschlag auf zwei britische Soldaten in NordirlandMan hatte gehofft, nie wieder solche Bilder sehen zu müssen. Erstmals seit zwölf Jahren wurden am Samstagabend (7. März) in Nordirland wieder britische Soldaten bei einem Anschlag getötet. Bewaffnete Männer erschossen aus ihrem Auto heraus mit Maschinengewehren zwei Soldaten und verletzten vier weitere Menschen. Laut Polizei gaben sie bis zu 40 Schüsse ab und zielten auch auf Menschen, die am Boden lagen. Die Attentäter nutzten eine Pizzalieferung, um das Feuer vor der Kaserne in der Ortschaft Massereene zu eröffnen. Nach dem Anschlag flüchteten die beiden Schützen – ein dritter Komplize hatte am Steuer des Fluchtwagens gewartet.

Die beiden getöteten Soldaten waren Anfang 20 und sollten nur wenige Stunden später nach Afghanistan verlegt werden. Zwei weitere Militärangehörige sowie die beiden Pizzaboten mußten mit zum Teil lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Zu dem Anschlag bekannte sich nach Angaben der BBC die ‘Real IRA’ in einem Anruf bei der Dubliner Zeitung ‘Sunday Tribune’. Die selbe Dissidentengruppe war im August 1998 für den verheerenden Bombenanschlag in Omagh verantwortlich, bei dem damals 29 Menschen ums Leben kamen und 250 verletzt wurden. Die Real IRA hatte sich 1997 von der Provisional IRA abgespaltet.

Sorge um Friedensprozess

Zuletzt war im Februar 1997 der britische Soldat Stephen Restorick in Beesbrook, Co Armagh in den Rücken geschossen worden. Bis zum jüngsten Anschlag war er der letze britische Soldat, der in Nordirland umgebracht wurde. 1998 leitete das Karfreitagsabkommen den Friedensprozess und damit ein Ende der Gewalt ein. Nach dem Abzug der meisten britischen Soldaten im Jahr 2007 sind derzeit noch rund 5000 Mann, hauptsächlich für Auslandseinsätze, in Nordirland stationiert.

Erst kürzlich hatte der nordirische Polizeichef Sir Hugh Orde vor einem möglichen schweren Terroranschlag gewarnt: "Eine kleine Zahl von Leuten ist fest entschlossen, uns dorthin zurückzuzerren, wo niemand mehr sein will", sagte er. In den vergangenen Monaten war es immer wieder zu Angriffen auf Polizisten gekommen. Sicherheitskräfte hatten erst vor wenigen Wochen eine Bombe in der Nähe einer Kaserne entschärft.

Mit dem brutalen Anschlag wuchs auch wieder die Sorge um den Friedensprozess in der einstigen Krisenregion. Politiker betonten jedoch, es werde keinen Rückfall in den jahrzehntelangen Terrorkampf geben. Die Regierungen in Nordirland, Irland und Großbritannien, die Regierung von US-Präsident Barack Obama und EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering verurteilten den Angriff schärfstens. Während die Polizei die Fahndung nach den Tätern aufnahm, fanden sich am Sonntag Nachbarn aller Konfessionen zu einer spontanen Mahnwache zusammen.

Woodward: "Akt krimineller Barbarei"

Der britische Nordirlandminister Shaun Woodward verurteilte das Attentat als einen "Akt krimineller Barbarei". Den Tätern werde es aber nie gelingen, den politischen Friedensprozess zu stoppen. Der britische Premierminister Gordon Brown nannte den Anschlag "feige" und mahnte zum Erhalt des Friedens: "Kein Mörder wird in der Lage sein, den Friedensprozess zu behindern, der von den Menschen in Nordirland unterstützt wird." Der nordirische Ministerpräsident Peter Robinson verschob eine Reise in die USA. Die Bluttat sei "eine schreckliche Erinnerung an die Vergangenheit", sagte er.

Taoiseach Brian Cowen sagte, die Menschen auf der irischen Insel hätten Gewalt entschieden zurückgewiesen, und dass es einer winzigen Splittergruppe nicht gelingen werde, den Wunsch der Iren nach einem friedlichen Zusammenleben zu untergraben.

Sinn Féin-Präsident Gerry Adams verurteilte den Anschlag als "eine Attacke auf den Friedensprozess"”. Die Splittergruppe haben keine nennenswerte Rückendeckung in der Bevölkerung. Sie mögen dazu in der Lage sein, tödliche Anschläge zu verüben, aber niemand rechnet damit, dass sie die Uhren in Nordirland zurückdrehen können.

geschrieben von Eberhard Bort am 09.03.2009 um 14:03 Uhr.


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