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Kultur
Friedenspreis für den nordirischen Autor David Park
Der Roman "The Truth Commissioner" arbeitet die Zeit nach den Troubles in Nordirland auf.
Der in Belfast geborene Romancier David Park erhielt für seinen Roman ‘The Truth Commissioner’ den diesjährigen Ewart-Biggs Memorial Award, der für Werke vergeben wird, die den Frieden und die Versöhnung zwischen Irland und Großbritannien fördern. Park tritt damit in die Fußstapfen von Brian Friel, Brian Keenan und Sebastian Barry.
Parks Roman spielt in Nordirland nach den Troubles. David Park beschreibt darin penibel genau und faszinierend eine Gesellschaft, die sich aus dem Trauma der Vergangenheit lösen will und sich auf einen Pfad der Wahrheitsfindung und Versöhnung begibt.
Henry Stanfield ist der ‘Truth Commissioner’, Francis Gilroy ein IRA-Veterane, der jetzt Minister in der nordirischen Regierung für Kultur und Kinder ist; James Fenton bezieht seine Pension als ehemaliger RUC-Polizist, und Danny ist ein Ex-Aktivist, der sich nach Amerika abgesetzt hat.
Spitzel der RUC verschwand
Stanfield ist seiner Tochter entfremdet und wegen seiner Seitensprünge nicht mit sich selbst im Reinen; Gilroy muß fürchten, kurz vor dem Ziel seiner Träume den großen Preis doch noch zu verlieren; Danny und seine Partnerin freuen sich in Amerika (wo Danny illegal lebt) auf die Ankunft ihres ersten Kindes, nicht ahnend, dass Belfast Dannys Schicksal noch immer im Griff hat. Fenton, auf dem Weg nach Rumänien mit Hilfsgütern für ein Waisenhaus, muss sich schließlich einem Ereignis in seiner eigenen Vergangenheit stellen.
Auslöser ist der Fall des 15-jährigen Connor Walshe, ein Schulschwänzer, der sich als kleiner Spitzel der RUC verdingte und inmitten der ‘Troubles’ verschwand.
Mit den vier Personen, mit denen wir im ersten Teil des Buches bekannt gemacht werden, erfahren wir, welche Macht die Vergangenheit hat und wie sie das in der Gegenwart Erreichte in Frage stellt.
Hatten wir die vier Personen im ersten Teil individuell im Hier und Jetzt erlebt, bringt sie nun die Anhörung zusammen. Schicht um Schicht werden die Wahrheiten und Halbwahrheiten der Verhangenheit enthüllt. Jeder gibt zwar vor, die Wahrheit zu suchen, und doch fürchtet niemand nichts mehr als die volle Wahrheit. Und was ist die Wahrheit? Ist sie im Gestrüpp der Erinnerungen überhaupt noch aufzufinden?
Bester Roman der Post-Troubles-Ära
Reue, Vergebung, Wiedergutmachung, Wahrheit, individuelle und kollektive Erinnerung – das sind die großen Themen des Buches. Jede der vier Geschichten ist packend erzählt. Die Figuren gewinnen unser Mitgefühl. Und dann müssen wir herausfinden, dass alle lügen. Nordirland hat keine Truth Commission – David Parks Haltung gegenüber einer solchen Einrichtung im heutigen Nordirland scheint durchaus von Skepsis gezeichnet. ‘The Truth Commissioner’ ist der bisher wohl beste Roman, den die Post-Troubles-Ära in Nordirland hervor gebracht hat.
Professor Roy Foster begründete das Urteil der Jury: ‘The Truth Commissioner’ erforsche "kompromisslos sowohl die Dunkelheit als auch die Möglichkeit des Lichts" und schaffe eine "fesselnde, erschütternde und unwiderstehliche alternative Welt". Der Preis wird jedes zweite Jahr in Erinnerung an den 1976 von der IRA in Dublin ermordeten britischen Botschafter Christopher Ewart-Biggs vergeben. Die Verleihung an David Park fand in der irischen Botschaft in London statt, wo der Autor den Preis aus der Hand der Schauspielerin Fiona Shaw entgegen nahm.
David Park, The Truth Commissioner, London: Bloomsbury, £7.99.
geschrieben von Eberhard Bort am 02.03.2009 um 19:01 Uhr.


