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Regierung zieht die Notbremse: Anglo Irish Bank verstaatlicht

Finanzminister Lenihan: Wir hatten keine andere Wahl. Bankchef verheimlichte Kredite.

Regierung zieht die Notbremse: Anglo Irish Bank verstaatlichtIrlands Pleitebank gehört jetzt den Steuerzahlern. Ein dramatischer Vertrauenverlust in die Anglo Irish Bank drohte, das irische Bankensystem in eine noch tiefere Krise zu stürzen. Einleger hatten in den letzten Wochen massiv ihr Geld aus der Bank abgezogen. Da blieb der Regierung nur die ultimative Notbremse. Wieviel diese Verstaatlichung den irischen Steuerzahler kosten werde, könne er nicht sagen, sagte Finanzminister Brian Lenihan, "aber wir hatten keine andere Wahl". Ähnlich äußerte sich Taoiseach Brian Cowen.

Über 85 Millionen Kredite verheimlicht

Die Bank hatte Mitte Dezember Schlagzeilen gemacht, als der Chef der Anglo Irish Bank, Seán FitzPatrick, am 18. Dezember zurücktrat, nachdem er Kredite im Wert von 87 Mio Euro verheimlicht hatte. Auch die Vorständler Lar Bradshaw und David Drumm mussten ihren Hut nehmen. Gleichzeitig übernahm der irische Staat damals 75 Prozent der Bank – bereits eine Quasi-Verstaatlichung.

Die Financial Times nannte Irland daraufhin eine "Bananenrepublik" – was Finanzminister Brian Lenihan auf die Palme trieb: Irland sei genauso wie andere Länder von der internationalen Finanzkrise betroffen, selbst die FT würde das sehen, wenn sie sich den Sand aus den Augen reiben würde. Anfang Januar trat dann mit William McAteer ein weiterer Direktor der Bank zurück.

Auch der oberste Finanzaufseher Irlands, Patrick Neary, räumte seinen Sessel, nachdem er massiv dafür ins Kreuzfeuer genommen wurde, dass er die Unregelmäßigkeiten bei der Anglo Irish Bank, die immerhin über acht Jahre hinweg vorgefallen waren, nicht früher entdeckt hatte.

Nicht mehr an der Börse notiert

Die Regierung wird nun einen Assessor für die Bank bestimmen, der herausfinden soll, welchen Wert sie noch darstellt. Aber es gibt keine Garantien, dass die Aktienbesitzer nach dem Gutachten auch nur einen Heller erhalten. Seit dem Morgen des 16. Januar ist die Anglo Irish nicht mehr an der Börse in Dublin und London notiert.

Die Verstaatlichung sei die einzige Chance gewesen, so Lenihan, um die Bank, die Kredite im Wert von über 100 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen hat und deren Aktienkurs im letzten Jahr von elf Euro auf zwölf Cents zusammenbrach, lebensfähig zu erhalten.
Für die finanzpolitische Sprecherin der Labour Party, Joan Burton, war die Nationalisierung der Bank nicht nur ein "verhängnisvoller Zug" für die irischen Steuerzahler, sie schädige auch das internationale Ansehen Irlands, weil sie ein weiteres Zeichen dafür sei, wie die Regierung "von einer Krise in die andere stolpert". Sie forderte erneut eine sofortige Einberufung des Dáil.

geschrieben von Eberhard Bort am 25.01.2009 um 12:35 Uhr.


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