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Kultur
Arts Council streicht Zuschüsse für Irish Writers' Centre
Kulturszene auf der Insel geschockt. Schriftsteller verfassen ein Protestschreiben.
Just zu Weihnachten flatterte dem Irish Writers’ Centre am Parnell Square in Dublin der blaue Brief des Arts Council ins Haus. Sämtliche staatlichen Zuschüsse gestrichen! 200 000 Euro weg. Konsternation in der Kulturszene. "Wir sind total am Rätseln", so der ziemlich geschockte Leiter des Zentrums, Cathal McCabe.
Fünfzig Euro kosten die Tickets für die Benefiz-Lesung von Sebastian Barry (‘The Stewart of Christendom’, ‘The Long, Long Way’, ‘The Secret Scripture’) am 22. Januar am und für das Irish Writers’ Centre, das nach der Streichung der Mittel vom Arts Council dringend auf Spenden angewiesen ist, "um Irlands Rolle in der Weltliteratur zu erhalten".
Kritik am Preis-Leistungs-Verhältnis
Ein Bericht des Arts Council erwähnte das Preis-Leistungs-Verhältnis und zweifelte die Qualität der vom Zentrum angebotenen Dienstleistungen an. Das Writers’ Centre sei, so heißt es in dem Report, nicht sichtbar genug.
Gegenüber der Reporterin der Irish Times, Fiona McCann, konterte McCabe. Er verwies auf 4000 persönlich im Zentrum gestellte Anfragen, 9000 telefonische Anfragen und mehr als seine Million Besuche auf der Website (www.writerscentre.ie) allein im letzten Jahr.
In diesem Jahr seien Kurse im Angebot wie ‘Learn to Write Short Stories’ mit dem Autor John Boyle, ‘Learn to Write Poetry’ mit der renommierten Lyrikerin Núala Ní Dhómnaill , und ‘Learn to Write Crime Fiction’ mit Cormac Miller.
Hohe Gehaltskosten
Besonders kritisiert wurden in dem Arts Council-Dokument die Gehaltskosten des Zentrums. Vier Vollbeschäftigte kosten insgesamt 237 550 Euro – McCabe selbst, dazu ein Finanzmanager, ein Kommunikationsmanager und ein Mitarbeiter für Archiv und Information. Der Arts Council-Bericht stellt in Frage, ob dies gerechtfertigt sei. McCabe konterte, dass die Finanzierung dieser Posten hauptsächlich vom Zentrum selbst generiert werde, während der Arts Council-Zuschuss direkt in Programme und Leistungen für Schriftsteller fließe. Außerdem orientierten sich die Gehälter an einer unabhängigen, auf Bewirken des Arts Council selbst erst 2007 eingeholten Expertise.
"Als ich hier anfing", so McCabe weiter, "war das Irish Writers’ Centre fast ausschließlich auf die Finanzierung durch den Arts Council angewiesen. Die Kurse, die hier stattfanden, hatten kaum Bedeutung für die Finanzierung des Zentrums, viele waren zuschussbedürftig. Heute sind wir bei einer Situation, dass der Zuschuss des Arts Council über die letzten Jahre etwa vierzig Prozent des Budgets ausgemacht hat. Er hat uns erlaubt, Kurse zu veranstalten, die wir jetzt streichen müssen."
"Wichtig für die Literatur in Irland"
Noch im April 2008, so McCabe weiter, habe der Council seiner Zufriedenheit mit dem Irish Writers’ Centre Ausdruck verliehen: es sei "absolut Teil der Struktur zur Unterstützung von irischen Schriftstellern und irischer Literatur" und sei "wirklich wichtig für die Literatur in Irland".
Obwohl nun Anstrengungen gemacht werden, den Ausfall des Arts Council-Zuschusses durch Spenden und Sponsorship zu kompensieren, beispielsweise mit einer Benefiz-Lesung des Costa-Preisträgers Sebastian Barry am 22. Januar, müssten, so Cathal McCabe, einige Programme gestrichen werden. ‘Exile and Return’ und die Lesetermine ‘Into Print’, ‘Out to Lunch’ und ‘Hourglass’ seien die ersten Opfer.
Der Vorstand des Writers’ Centre, unter dem Vorsitz von Carlo Gébler – weitere Mitglieder: Frank X Buckley, Frank Callanan, Una Claffey, Gerald Dawe, Catherine Phil MacCarthy, Liam Mac Uistín, David McConnell, Núala Ní Dhómhnaill, Emer O’Kelly und Cathal Ó Searcaigh –, hat außerdem einen Appeall an den Arts Council gerichtet, die Entscheidung zur Streichung der Zuschüsse noch einmal zu überdenken.
Der Arts Council versicherte jedoch nur, dass das Geld durch andere Kanäle an Schriftsteller und literarische Einrichtungen fließen werde, wie z.B. Poetry Ireland, das dieses Jahr €400 000 erhielt, Irish Literature Exchange, mit knapp €300 000 gefördert, und das Munster Literature Centre , dessen Zuschuss €137 000 betrug.
Schriftsteller solidarisieren sich
Eine eindrucksvolle Reihe von Irlands bekanntesten Schriftstellern hat inzwischen ein Protestschreiben an den Arts Council unterzeichnet, das an alle nationalen Zeitungen geschickt wurde. Unter den Unterzeichnern u.a. Maeve Binchy, Roddy Doyle, John Banville und Anne Enright.
Auch internationale literarische Größen haben sich mit dem Irish Writers’ Centre solidarisiert, darunter Richard Ford und Will Self. Sie alle drücken ihren Schock und ihre Entrüstung aus über die Entscheidung des Arts Councils, die finanzielle Förderung des Irish Writers’ Centre mit sofortiger Wirkung einzustellen und fordern eine sofortige Korrektur dieser Entscheidung.
Zwar sehe man ein, so die Erklärung der Schriftsteller, dass in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise Kürzungen hingenommen werden müssten, sei der Beschluß des Arts Council doch "verstörend". Immerhin habe das Zentrum gerade ein besonders erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht.
geschrieben von Eberhard Bort am 23.01.2009 um 18:33 Uhr.


