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Mysteriöse Steine im Wald und unheimliche Sagengestalten

DIF-Vize Veit Müller hat seinen zweiten Krimi mit viel Lokalkolorit und irischen Bezügen geschrieben.

Mysteriöse Steine im Wald und unheimliche SagengestaltenVeit Müllers zweiter Krimi-Streich um den Tübinger Lokaljournalisten Luka Blum überzeugt in Form und Inhalt: Witzig geschrieben, spannend und unterhaltsam zu lesen.

Wandertag mit Leiche

Volker Schmittinger macht Wandertag mit seiner Reutlinger Schulklasse. Es soll in den Schönbuch gehen. Ausgangspunkt: Walddorfhäslach. Nicht, dass er sich darauf freuen würde. Einziger Lichtblick ist, dass die attraktive Kollegin Amelie Wagner mit von der Partie sein wird. Um das Ganze etwas aufzupeppen, hat sich sein Kollege Rolf Vohrer aus Walddorfhäslach etwas ausgedacht: Steine, die Geschichten erzählen, sollen ausfindig gemacht werden. Und ein paar Freunde sollen im Wald für die ein oder andere Überraschung gut sein. "Das wird ‘ne Gruseltour, sag ich euch", verspricht er den Schülern.

Wie wahr. Denn schon bald stolpert eine Schülerin über eine Leiche. War jemand gestürzt? Oder war hier ein Verbrechen geschehen? Unmittelbar beim Schwellerstein, mitten im Schönbuch? An dem Stein, der an den Tod von Carl Schweller erinnert, den Unterförster im Walddorfer Schönbuch, der zum Mörder an seiner 19-jährigen Geliebten wurde, bevor er die Flinte auf sich selbst richtete. Wer aber war der neue Tote vom Schwellerstein? Und was faseln einige Schüler da von Gestalten mit Schweinemasken?

Luka Blum wittert Story

Schnitt: Lokalreporter Luka Blum erwacht aus einem Albtraum. "Mein Name ist Blum. Luka Blum", stellt er sich vor: "Und ich mag meinen Martini weder gerührt noch geschüttelt. Ich mag das süße, klebrige Zeug überhaupt nicht. Schon eher Whisky, schottischen. Oder Whiskey, irischen."

Blum, uns bereits von Veit Müllers Krimi-Erstling ‘Zwischen den Zeilen lauert der Tod’ bestens bekannt, wird von einem Gerichtstermin in Tübingen in den Schönbuch beordert, um dem geheimnisvollen Leichenfund auf den Grund zu gehen. Auch Nelly, seine sommersprossig-irische Freundin, treffen wir wieder. Allerdings hat sie Heimweh nach der grünen Insel und möchte Luka dazu überreden, dass er mit ihr nach Irland geht.

Als sich in Walddorfhäslach ein zweiter nicht ganz koscher erscheinender Todesfall ereignet – eine alte Frau ist (mit oder ohne Hilfe?) die Kellertreppe hinunter gestürzt –, wittert Luka eine große Story. Er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Was hat es mit Charly auf sich, dem Faktotum mit dem Federhut? Was meint er damit, er habe den ‘Ranzenpuffer’ im Wald gesehen?

Unheimliche Sagengestalten

Die Spur führt nach Altenriet. Und zu weiteren unheimlichen Sagengestalten aus dem Schönbuch. Und zum berühmten Brezelfest vor gut zwanzig Jahren. Liegt der Schlüssel in einem Foto, das damals beim Umzug kurz vor einem tragischen Vorfall aufgenommen wurde? Ist das Eifersuchtsdrama um Carl Schweller vielleicht ein Clou?

Veit Müllers zweiter Luka-Blum-Krimi ist eine spannende und originelle Veranstaltung. Mit viel Lokalkolorit (da hilft die Regionalkenntnis des Lokalreporters), einer gehörigen Portion Schlitzohrigkeit und einer gesunden Dosis Ironie. Zunächst führt uns der Autor aufs Glatteis. Da wird auf den ersten Seiten losgeschwäbelt wie bei Häberle und Pfleiderer. Ist der Regionalkrimi also doch der neue Heimatroman?

Keine Sorge, nur ein Spässle. Sprachlich gewandter als noch bei seinem Debüt, zeigt sich Veit Müller überhaupt locker, einfallsreich und experimentierfreudig. Mitten in einem Kapitel wechselt die Erzählperspektive plötzlich von der dritten in die erste Person. Waren bis zu dem Zeitpunkt die Vorgänge im Schönbuch und die journalistische Routine von Luka Blum noch mehr oder weniger parallel verlaufen, nimmt ‘Detektiv Blum’ nun das Heft in die Hand.

Schon bald wird er merken, dass das nicht ganz ungefährlich ist. Aber noch bleibt Zeit für ein Guinness im Irish Pub in Tübingen, obwohl der drohende Abflug Nellys einem die schönste Pint vergällen könnte...

Autobiografische Züge

Veit Müllers ‘Tod im Schönbuch’ ist ein knuffliger Krimi, dessen Held viele autobiografische Züge trägt (die Herkunft aus der Pfalz, die Vorliebe für Dornfelder und Guinness, der Beruf als Journalist und Krimiautor) und doch erfunden ist – wie das gesamte Personal, in dem sich in Tübingen, Reutlingen und Walddorfhäslach viele vielleicht doch irgendwie wiedererkennen werden. Aber auch dort, wo man keine Spätzle ißt und den Schönbuch höchstens vom Hörensagen kennt, werden Krimifreunde Gefallen an den Luka-Blum-Krimis finden.

What next? Geht Nelly nach Irland? Wird Luka Blum ihr folgen? Eine Reisereportage von der grünen Insel für das heimische Blatt? Und natürlich eine Ermittlung auf eigene Faust? Wird er seinen singenden Namensvetter Luka Bloom treffen? Die wachsende Luka-Blum-Fangemeinde harrt der Dinge, die da kommen. Mit Zuversicht. Denn wir wissen ja: Good things come to those who wait.


Veit Müller, Tod im Schönbuch: Ein Luka-Blum-Krimi, Reutlingen: Oertel & Spörer, 2008, Taschenbuch, €9.95.

geschrieben von Eberhard Bort am 28.01.2009 um 14:20 Uhr.


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