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Nach Dioxin-Skandal stehen Arbeitsplätze auf der Kippe

Acht Fleischfabriken haben bereits über 1400 Mitarbeiter entlassen. Irland ersucht die EU um Finanzhilfe.

Nach Dioxin-Skandal stehen Arbeitsplätze auf der KippeNur drei Tage nach der Ankündigung, dass irisches Schweinefleisch mit PCB kontaminiert wurde und nach einer gigantischen Rückrufaktion, die alle irischen Schweinefleischprodukte ab dem 1. September 2008 betrifft, haben bereits 1400 Beschäftigte in der Fleischverarbeitung in Irland ihren Job verloren.

Hohe Verluste für Schweinefleisch-Industrie

Die Rückrufaktion und die Notschlachtung von 100 000 Schweinen kostet die Schweinezuchtindustrie in Irland bereits etwa 100 Mio Euro. Insgesamt könnten sich die Verluste auf 500 Mio, wenn nicht gar auf eine Milliarde Euro belaufen. Die Farmer wollen sofortige Finanzhilfen von der Regierung, um die Krise zu überbrücken. Die Fleischfabriken fordern sogar, dass die Regierung das zurückgegebene Fleisch für mindestens 200 Mio Euro aufkaufen soll.

Die Fleischfabriken erklärten, es würden erst wieder Schweine geschlachtet, wenn die Regierung Finanzhilfen zusage, um mit den massiven Verlusten fertig zu werden, die die Rückrufaktion verursache. 1400 Jobs sind in acht fleischverarbeitenden Betrieben bereits verlustig gegangen. Die Gewerkschaft SIPTU warnte jedoch, dass 6000 Arbeitsplätze auf der Kippe stünden.

Taoiseach Brian Cowen hat deshalb angekündigt, er werde um Unterstützung aus dem Krisenfonds der EU-Kommission nachsuchen, um zu gewährleisten, dass die fleischverarbeitende Industrie zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder auf Touren gebracht werden kann.

Ob die EU mit Finanzhilfen herausrücken wird, scheint zumindest fraglich. Der Gang nach Brüssel werde "eher in Hoffnung als mit Zuversicht" versucht, sagte ein Regierungssprecher.

Kontaminierung durch ‘falsches’ Industrieöl

Wie inzwischen bekannt wurde, kommt die Kontaminierung des Futtermittels, das die Krise auslöste, aus dem Millstream Recycling Plant an der Grenze zwischen Wexford und Carlow, das Schweinefutter für 47 Schweinezuchtbetriebe in der Republik und neun in Nordirland herstellte und lieferte. Hier wurde nicht zulässiges Öl für einen Brenner benutzt, der das Schweinefutter erhitzt. Das ‘falsche’ Industrieöl gelangte offenbar durch eine undichte Maschine ins Futter. Die Firma hatte, wie die Environment Protection Agency mitteilte, keine Lizenz, um dieses Öl zu benutzen.

Der oberste Mediziner des Staats, Dr Tony Holohan, beschwichtigte noch einmal, dass Gesundheitsrisiken aus der Vergiftung "extrem niedrig" seien und Leute keine äztliche Hilfe bräuchten, nur weil sie in den letzten drei Monaten Schweinefleisch zu sich genommen hätten.

Währenddessen wurden in drei Rinderherden ebenfalls erhöhte Dioxinwerte festgestellt. Allerdings war der Grad der Kontaminierung deutlich geringer als bei den Schweinen. Während er dort das 80- bis 200-fache des gesetzlichen Grenzwerts betrug, handelte es sich bei den Rindviechern um eine zwei- bis drei-fache Überschreitung des gesetzlich tolerierten Levels. Trotzdem wurden die Rinderherden aus dem Verkehr gezogen.

Auch Deutschland betroffen

Betroffen ist auch Deutschland, das nach Großbritannien zu den wichtigsten Importländern gehört. Mit krebserregendem Dioxin verseuchtes Schweinefleisch aus Irland ist nach Angaben der irischen Veterinärbehörde in bis zu 25 Länder geliefert worden. Mit Sicherheit seien aber weniger als 30 Länder betroffen, sagte Behördenchef Paddy Rogan am Sonntag. Der Großteil wurde nach Großbritannien geliefert, Deutschland und Japan kauften jeweils etwa neun Prozent des Exportfleischs. Bis geprüft sei, ob und wie viel Schweinefleisch irischer Herkunft auf dem deutschen Markt sei, werden sämtliche Erzeugnisse aus Irland vom Markt genommen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden vom Montag hat die Bundesrepublik zwischen Januar und Ende September 10 632,7 Tonnen Schweinefleisch von der Insel importiert. Das habe sich mit gut 16 Millionen Euro in der Handelsbilanz niedergeschlagen.

Nach Lieferlisten, die von den irischen Behörden jetzt veröffentlicht wurden, sind seit dem 1. September circa 2000 Tonnen irisches Schweinefleisch nach Deutschland gelangt, so das Bundesministerium für Ernährung in Berlin. Dabei handelt es sich um Schweinehälften oder Teilstücke und keine verarbeiteten Produkte, wie Würste.

Kritik an Rückrufaktion

In Irland wurde auch erste Kritik an der Rückrufaktion laut. Hatte die Regierung überreagiert? Warum wurde alles Schweinefleisch aus den Regalen genommen – auch das, das nicht von den kontaminierten Farmen stammte? Und wenn das Gesundheitsrisiko wirklich so gering war, warum dann dieses drastische Vorgehen? Wurden die Konsequenzen richtig eingeschätzt? Wurden nicht unnötigerweise Tonnen von gutem Fleisch vernichtet?

Taoiseach Brian Cowen verteidigte im Dáil das Handeln seiner Regierung. Es sei in erster Linie um Nahrungsmittelsicherheit gegangen und darum, den guten Ruf der irischen Nahrungsmittelproduktion und damit vor allem die Exportmärkte zu schützen.

geschrieben von Eberhard Bort am 13.12.2008 um 15:22 Uhr.


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