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Paddys Bücherecke

"Wo ist das Christkind geblieben?"

Bücher, CDs und DVDs: Zehn irische Geschenktipps zu Weihnachten, zusammengetragen von Paddy Bort.

Wie jedes Jahr hat DIF-Mitglied Eberhard "Paddy" Bort aus Edinburgh auch heuer wieder irische Geschenktipps für den Gabentisch zu Weihnachten zusammengetragen. Seine Auswahl ist sehr abwechslungsreich und reicht von Frank McCourts Weihnachtsgeschichte (siehe nebenstehende Abbildung) über Ronnie Drews letzte Session bis hin zur irischen Railway-Box. Unter den Bücher-, CD- und DVD-Tipps ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei.

>> 1) Wo ist das Christkind geblieben?

... fragt Frank McCourt in seiner anrührenden Weihnachstgeschichte aus Limerick, die jetzt auch auf Deutsch vorliegt. Der Autor von ‘Die Asche meiner Mutter’ erzählt eine wahre Geschichte aus dem Leben seiner Mutter Angela in Limerick. Als die nämlich gerade mal sechs Jahre alt war, machte sie sich fürchterliche Sorgen um das Christkind in seiner Krippe in der kalten St Joseph’ Church. Würde es nicht bitterlich frieren?

Aus eigener Erfahrung wusste sie ja, dass es nichts zu bedeuten hatte, wenn das Christkind selig lächelte. Schließlich war seine Mutter auch da, und dann noch die Hirten mit ihren Schafen und die Heiligen Drei Könige, da sagte man nichts, wenn man fror und Hunger hatte. Also beschloss sie, das Christkind zu sich nach Hause zu holen, damit es sich in ihrem Bett aufwärmen konnte ... Eine klassische Weihnachtsgeschichte voller Charme und Witz - über Kinder, ihre ganz eigene Weltsicht, über Fantasie und Familienzusammenhalt.


Frank McCourt, Wo ist das Christkind geblieben?: Eine Weihnachtsgeschichte (Gebundene Ausgabe), Übersetzt von Rudolf Hermstein, mit Illustrationen von Reinhard Michl, Luchterhand Literaturverlag, 2008, € 12.95

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>> 2) Irische Geschichte in 250 Episoden

Von der Eiszeit bis zum Zweiten Weltkrieg in 250 Episoden – so ist das neue Buch des Historikers Jonathan Bardon aufgebaut, das Anfang November erschien. Es basiert auf einem Auftrag, den Bardon von der BBC in Ulster erhielt. Er sollte die irische Geschichte in 240 Hörfunkepisoden erklären. Die kurzen, nur fünf Minuten langen Programme wurden in den Jahren 2006 und 2007 ausgestrahlt. Jetzt ist er noch einmal über seine Skripte gegangen und hat das ganze zu einem Buch zusammen gefasst.

Jede Episode ist in sich abgeschlossen; insgesamt ergeben sie – auf immerhin 600 Seiten – eine chronologisch erzählte Geschichte Irlands.

Jonathan Bardon, A History of Ireland in 250 Episodes, Dublin: Gill And Macmillan, 2008, €22.99.

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>> 3) Kochen wie die Kelten

Regionalküche ist in. Hier stellen 67 Küchenchefs aus Wales, Irland, Schottland, der Bretagne, der Isle of Man und aus Cornwall ihre Lieblingsrezepte vor – traditionelle und zeitgemäße keltische Gerichte. Darunter Rick Stein, Mary Ann Gilchrist, Ronnie Clydesdale, Simone Morand und Darina Allen von der berühmten Ballymaloe Cookery School in Co Cork.

Die Kelten waren, was ihre Esskultur angeht, bodenständig. Sie machten das beste aus den Zutaten, die sie in ihrem Umfeld vorfanden. Frische Kost, natürlich und schmackhaft. "Die keltische Küche wurde aus der Notwendigkeit heraus geboren", erklärt Gilli Davies. "Lange bevor der Keltische Tiger röhrte, waren diese Nationen arm, und die Bevölkerung musste das beste aus dem machen, was sie vor ihrer Türschwelle vorfand."

Heute gereicht dies der keltischen Küche zum Vorteil. Umweltbewusst, herzhaft und in der lokalen Kultur verwurzelt – da gibt es bretonische Fischsuppen und Crepes, kornische Pastetchen, Kaninchenroulade, Dublin Bay Garnelen, Colcannon und Käsesuppe aus Irland, eingelegten Hering und Bannoch-Brot aus Man, aus Scottland Cock-a-Leekie (Huhn und Lauch) Suppe und Cranachan-Süßspeise, Glamorganshire Sausages und Snowdonia Pudding aus Wales.

Langusten, Muscheln, geröstete Lammkeule, Bachforellen, natürlich Lachs – ob geräuchert, gedünstet oder gegrillt… Allein bei der Aufzählung der Zutaten könnte einem das Wasser im Mund zusammen laufen. In den im Buch versammelten 163 Rezepten wird mit Honig, Cidre, Guinness und Whisky gekocht; das feinste, was die keltischen Nationen zu bieten haben, traditionell lecker und mit durchaus zeitgemäßem Pfiff zubereitet – ein Hoch auf die Kochkunst der Kelten!

Gilli Davies, Celtic Cuisine: An illustrated book on traditional and contemporary Celtic recipes, Cardiff: Graffeg 2008, 192 Seiten, farbig illustriert, £14.99

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>> 4) Philip Plissons Celtic Coastlines

Von den Westküste Irlands bis an die Todesküste von Galicien, verfolgt dieser Prachtband die Küstenlinie der acht vorgestellten keltischen Regionen. Jedes Kapitel wird mit einem Text von Patrick Mahé zur jeweiligen keltischen Nation eingeleitet – Schottland, Irland, die Isle of Man, Wales, Cornwall, die Bretagne, Galicien und Asturien. Ansonsten dürfen die Panoramaaufnahmen des berühmten französischen Fotografen Philip Plisson in ihrer ganzen Brillanz glänzen.

Im Großformat kommt die ganze Schönheit, Wildheit und Kraft dieser Küstenlandschaften zum Ausdruck. – grüne Inseln, sanfte Flüsse, schroffe Steilküsten, Strände, Fischerdörfer und Hafenstädte. Das Buch ist eine einzige und einzigartige große Liebeserklärung an die keltischen Küsten.

Philip Plisson’s Celtic Coastlines (texts by Patrick Mahé), London: Thames & Hudson 2007 (224 Seiten, 102 farbige Illustrationen), £29.90

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>> 5) Ronnie Drews Erinnerungen

Als Ronnie Drew im August seinem Krebsleiden erlag, war es ihm nicht vergönnt, seine Memoiren abzuschließen. Er hatte etwa die Hälfte des Buches im Kasten, und es war schon befürchtet worden, es würde nie gedruckt werden. Doch Ronnies Tochter Cliodhna und sein Sohn Phelim waren dazu entschlossen, das Werk ihres Vaters zu vollenden.

Mit ihrer Hilfe war es möglich, das Buch fertig zu stellen, so dass es nun , rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft, in de Buchhandlungen kam.

Ronnie hatte erst vor zwei Jahren eingewilligt, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Strikt so, wie er es für richtig hielt. Ohne Allüren, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Seine Zeit vor den Dubliners; wie er Barney McKenna, Luke Kelly und Ciarán Bourke traf und wie die Dubliners gegründet wurden. Der Balladen-Boom der sechziger Jahre, und das verrückte Leben in einer Folkband mit Hitsingles in den Charts.

Cliodhna und Phelim trugen Interviews, ihre eigenen Erinnerungen an den Vater, und Beiträge von Ronnies Freunden und Kollegen zusammen. Mit vielen Fotos und Materialien aus dem Familienarchiv ist so ein wunderbares Porträt des – obwohl in Dun Laoghaire geborenen – Erz-Dubliners entstanden.

Ronnie Drew, Ronnie, Dublin: Penguin Ireland, 2008, Gebundene Ausgabe, £20

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>> 6) Ronnies letzte Session

Bis kurz vor seinem Tod arbeitete Ronnie Drew an einem neuen Album – und er erfüllte sich einen lang gehegten Traum: er spielte einige Titel mit Freunden aus der Jazzszene ein, da traditioneller Jazz eine seiner ersten musikalischen Lieben war. Und eine Musikrichtung, die er selbst in seiner langen Karriere nie so richtig ausprobiert hatte. Aber es sind auch Songs neu aufgenommen, die nicht zuletzt dank ihm zu Markenzeichen der Dubliners wurden: 'Molly Malone', 'A Rainy Night In Soho' und 'The Auld Triangle'.

Das gerade erschienene Album 'The Last Session: A Fond Farewell', das von November 2007 bis Mai 2008 entstand, hat er mit einigen der bekanntesten Musiker in Irland aufgenommen. Shane McGowan, Emmanuel Lawler, Mary Coughlan und Mike Hanrahan waren mit ihm im Studio. Ronnie sei, sagte Phelim, über das Ergebnis hoch erfreut gewesen.

Ronnie Drew, ‘The Last Session: A Fond Farewell’, CD (Celtic Collections), 2008, £11.99

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>> 7) Live at the Bitter End

Ein Folk Hero, der noch unter uns weilt, ist der legendäre Liam Clancy. Er hat uns rechtzeitig zum Fest ein wundervolles Dokument seines Schaffens und Wirkens beschert. Im Juni 2008 wurde ein Konzert in New York aufgezeichnet, in dem Liam Clancy gemeinsam mit Freunden wie Shane MacGowan, Odetta, Eric Bibb, Tom Paxton, Fionn Regan und Gemma Hayes zu sehen ist.

50 Jahre, nachdem die Clancy Brothers & Tommy Makem im Folk Revival von Greenwich Village ihre ersten Aufnahmen einspielten, markierte dieses Konzert eine Homecoming für Liam Clancy. Im Herzen von Greenwich Village, im legendären ‘Bitter End’, entstand so ein phantastisches Porträt eines der ganz großen ‘Ballad Singers’, die Irland im Lauf des letzten Jahrhunderts hervor gebracht hat.

Liam Clancy & Friends, ‘Live at the Bitter End’, DVD, 2008, €18.99.

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>> 8) Ein Winteralbum von Enya

Etwa 70 Millionen Tonträger hat sie verkauft, hat – neben Dutzenden von anderen Auszeichnungen – vier Grammys auf dem Kaminsims stehen und war zeitweise die reichste Frau Irlands. Konzerte hat sie in den letzten 20 Jahren allerdings keine gegeben und gesellschaftliche Anlässe so gut es ging gemieden. Enya umweht ein Hauch des feenhaft Geheimnisvollen.

Zwanzig Jahre nach ‘Watermark’ und ‘Orinoko Flow (Sail Away) hat sie jetzt ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht. Eigentlich sollte es ja ein Weihnachtsalbum werden, aber dann mischten sich ein paar Wintersongs ins Repertoire, und so ist ‘And Winter Came...’ eher ein jahreszeitliches als ein nur weihnachtliches Album geworden.

Überraschungen birgt es keine – Enya hat längst ihren Sound gefunden und bleibt ihm treu. Das mag ihr mancher Kritiker vorwerfen. Aber ihren Fans wird es gefallen.

Enyas übernatürlich-ätherische Stimme, so Christiane Rösinger es in der Welt formulierte, künde immer von Unheil und verspreche gleichzeitig Trost. “Ihr chorähnlicher Gesang entsteht im Studio, wenn bei der Aufnahme Enyas Stimme, ein gediegener Mezzosopran, bis zu 80-mal übereinander gelegt wird.”

Enya, ‘And Winter Came’, CD, Warner Brothers, 2008, € 14.95.

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>> 9) Weihnachts-LP von Glasvegas

Vor kurzem waren es noch Franz Ferdinand, die von Glasgow aus die Rockwelt eroberten – dieses Jahr waren Glasvegas die Über-Newcomer. Und sie haben sic him Herbst ins Studio begeben, um noch vor dem Fest ihre Weihnachts-LP heraus zu bringen.

Eine der Studiosessions dauerte 29 Stunden, um das Album, ‘A Snowflake Fell (And It Felt Like A Kiss)’ rechtzeitig fertig zu stellen.
Das Werk wurde weitab von Glasgow aufgenommen, in Transsylvanien in der St Nicholas Church in Brasov, und auf zwei Titeln ist der dortige Concentus Chor zu hören, beispielsweise auf ‘Stille Nacht’, das auf English und Rumänisch gesungen wird.

Aber keine Angst, es geht auch mehr zeitgenössisch zur Sache. "Nicht jedermanns Weihnachten ist wie das von Cliff Richard", meinte Sänger James Allan. Und Titel wie ‘Careful What You Wish For (It Could Be Coming True)’ oder ‘Cruel Moon’ (ganz zu schweigen von ‘Fuck You, It’s over’) deuten darauf hin, dass es auch zum ‘Frohen Fest’ nicht allzu süßlich-sentimental aus dem Lautsprecher trieft.

Die Band wird übrigens beim diesjährigen Hogmanay am 31. Dezember in Edinburgh spielen – und sicher einige ihrer ‘Weihnachtslieder’ zum besten geben.

Glasvegas, ‘A Snowflake Fell (And It Felt Like A Kiss)’ Special-2CD-Edition ‘Glasvegas’, Columbia, 2008.

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>> 10) Irische Eisenbahn-Nostalgie

Weihnachtszeit ist Eisenbahnzeit. Und wann sonst hätte man die Muse, sich neun DVDs reinzuziehen? Hier kommt der Enthusiast auf seine Kosten – Dampflok-Nostalgie aus Ulster, irische Schmalspurbahnen, die West Clare Railway wie von Percy French besungen, und die reizvolle Landschaft, die von diesen Bummelbahnen durchzockelt wurden – alles eingefangen in Schwarz-Weiß und in Farbe und für die Nachwelt dokumentiert. So entsteht eine kleine Geschichte der irischen Eisenbahnen.

‘From Baltimore to Belfast’ zum Beispiel (zwischen 1952 und 1957 entstanden) zeigt neben der West Clare Railway auch Züge zwischen Tralee und Dingle und zwischen Dublin und Cork, sowie die Straßenbahnen nach Howth und in Belfast.

‘The Irish Narrow Gauge’ zeigt Beispiele der irischen Schmalspurbahnen (die letzte aus einem Netz von 550 Meilen wurde 1961 still gelegt) – aufgenommen zwischen 1939 und 1959. Die Farbfilme zeigen die Linie Londonderry & Lough Swilly, County Donegal, die Cavan & Leitrim Railway, Tralee & Dingle Railway sowie West Clare.

‘The 1960s from Steam to Diesel’ zeigt einige der letzten Dampfloks im Einsatz und kontrastiert sie mit ihren Nachfolgern, den Diesellokomotiven.

Und das sind nur drei aus der faszinierenden Neuner-Box, die das Herz eines jeden Eisenbahn-Nostalgikers höher schlagen lässt.

Irish Railways Box set DVD, Demand Media Limited, 2008 (507 Munuten Spielzeit), £49.99.

geschrieben von Eberhard Bort am 19.12.2008 um 12:58 Uhr.


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