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Anne Enrights lädierte Frauen

Irische Autorin erzählt in ihrem neuen Buch "Taking Pictures" 19 packende Geschichten.

Anne Enrights lädierte FrauenLetztes Jahr gewann sie mit ‘The Gathering’ den Man Booker Prize; dieses Jahr den Hughes & Hughes Irish Novel of the Year Award – jetzt lässt die irische Autorin Anne Enright eine Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel ‘Taking Pictures’ folgen. Wer noch nach Bestätigung gesucht hat, warum sie zurecht die renommiertesten britischen und irischen Literaturpreise bekommen hat – mit diesen 19 Stories liegt er vor. Es sind unsentimentale Geschichten, zupackend und voller Überraschungen. Alle handeln von Frauen. Beschädigten Frauen, Frauen, die mit dem Leben im Clinch liegen. Die Themen sind oft düster – es geht um Tod, Einsamkeit, Sex und Hass, aber auch in den grimmigsten Geschichten gibt es Momente schwarzen Humors, die wie Blitzlichter die Szenerie aufhellen und den Blick auf flüchtige Wahrheiten und Einsichten frei geben.

Ohne mit der Wimper zu zucken, werden die Schattenseiten des Lebens gezeigt, verwelkende Liebe, körperliche Gebrechen, menschlicher Zerfall. Träume verfliegen, das Schmerzkonto innerhalb der Familie wächst, Beziehungen zerbrechen – so ist das Leben. Aber die grausame Alltäglichkeit hat auch etwas Tragikomisches an sich. So dass man (besser: frau) ihr am Ende eben doch am besten mit einem Lacher beikommt. Humor, nicht unbedingt der Schwimmgürtel des Lebens, aber eben doch Teil der Überlebensstrategie.

Intensive Monologe, direkt und zielsicher

Anne Enrights Frauen verlangen Aufmerksamkeit. Ihre Geschichten haben etwas Hypnotisierendes an sich. Intensive Monologe, denen man sich nur schwer entziehen kann, in einer klaren, ausdrucksstarken Sprache, ohne überflüssige Schnörkel, direkt und zielsicher. Zutiefts menschlich, mitfühlend, aber nicht gefühlsduselig, ehrlich, manchmal erdig, energiegeladen, niemals gekünstelt – alles andere als deprimierend, auch weil sie frei von jedem Anflug von Selbstmitleid sind.

Es gibt Momente, in denen die Möglichkeit der Liebe aufblitzt, in denen Entscheidungen getroffen, Erkenntnisse gewonnen werden. Etwa, wenn eine Frau sich dazu durchringt, Blumen auf das Grab der Geliebten ihres Mannes zu legen, um damit den Fall für sich abzuschließen. In ‘Honey’ spielt eine Frau, die durch den Tod der Mutter von einer Last befreit wurde, mit dem Gedanken, eine flüchtige Beziehung mit einem Arbeitskollegen einzugehen und muss erkennen, wie wir oft Sex als Mittel einsetzen, um Schmerz zu betäuben. Während einer öden Party, in der Titelstory, wird es einer Frau plötzlich klar, wie ihre Ehe sich unweigerlich in langweilige, rouitinierte Zweisamkeit verwandelt hat.

"These remarkable tales show Anne Enright at her crackling best", urteilte der Daily Telegraph. Mary Warnock stellte ihre Kollektion in die große Ahnenreihe der irischen Kurzgeschichte. Eine "bemerkenswerte Sammlung", attestierte auch John Boland im Irish Independent, mit einigen der besten Geschichten, die in den letzten 40 Jahren "in Irland oder anderswo" geschrieben wurden.

Anne Enright, Taking Pictures, London: Jonathan Cape, 2008, £12.99

NB.: Im September erscheint The Gathering in deutscher Übersetzung (Hans Christian Oeser) bei DVA unter dem Titel Das Familientreffen.

geschrieben von Eberhard Bort am 01.05.2008 um 11:53 Uhr.


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