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Paddys Bücherecke
Paddy's Buchtipps: "The Sea" von John Banville
Banvilles Roman gewann den Booker-Preis 2005 - Im Herbst 2006 soll das Buch auch in deutscher Sprache erscheinen
Schon einmal, vor nun mehr als 16 Jahren, stand John Banville kurz vor dem Gewinn der höchsten britischen Literaturauszeichnung. Sein Roman Das Buch der Beweise wurde damals noch kurz vor der Zielgeraden von Kazuo Ishiguros Roman Was vom Tage übrigblieb abgefangen. Diesmal gelang es Banville, den Spieß umzudrehen. Er landete vor Ishiguros Alles, was wir geben mußten auf Platz 1. Banville ist der erste irische Gewinner des Preises seit 1993, als Roddy Doyle mit Paddy Clarke Ha Ha Ha die Nase vorn hatte.
The Sea ist der 14. Roman des in Dublin lebenden Schriftstellers und Literatur-Journalisten (ehemaliger literarischer Chefredakteur der Irish Times) und wurde von irischen und britischen Rezensenten als “Meisterwerk des poetischen Schreibens” gelobt – ein “Sieg der Poesie über die Popularität”. Der Roman sei eine “meisterliche Studie der Trauer, der Erinnerung und der Liebe”, so der Booker-Juryvorsitzende, Prof. John Sutherland.
Zum Inhalt: The Sea erzählt von dem in die Jahre gekommenen Max Morden, dessen Frau an Krebs gestorben ist. Er kehrt in den Küstenort zurück, wo er als Kind seine Sommerferien verbrachte. Dort stellt er sich den Erinnerungen an traumatische Ereignisse von damals.
Banville selbst meinte, dass die “dunklen und obsessiven Themen” in The Sea bei der Jury ein Echo gefunden haben: "Der Protagonist ist ein Mann, der im Schmerz gefangen ist, aber viele schöne Erinnerungen aus seiner Kindheit hat, und ich glaube, das spricht viele Leute an. In The Sea geht es um das Erinnern längst vergangener Vergangenheit und die zerbrechliche Art, wie Kinder sich zu verlieben pflegen. Nichts, was danach kommt, wird ganz so unschuldig sein." Viel der Erinnerungen seien autobiografisch. Er habe viele glückliche Erinnerungen an seine Kindheit, als die Familie in Rosslare Urlaub machte.
Fasziniert von der Welt des Scheins
In den Büchern des frischgebackenen Booker-Preisträgers stehen häufig solche Männer im Zentrum, die ihr Leben rückblickend betrachten oder entscheidende Erfahrungen sammeln. Oft sind es Kunsthistoriker, die sich von Hause aus mit Ästhetik befassen. The Sea ist vielleicht nicht Banvilles bester Roman – Der Unberührbare beispielsweise zieht den Leser mehr in seinen Bann, weil er neben den persönlichen Erinnerungen und der ziselierten Prosa auch ein großes Thema hat: die ideologischen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts und die Welt der britischen Spionage, ausgeführt von einem Iren, was interessante Einblicke in persönliche wie nationale Identitäten erlaubt. Doch auch für The Sea gilt, was Ilja Trojanow in der Neuen Züricher Zeitung schrieb: "Der Autor ist sichtbar fasziniert von der Welt des Scheins, in seinen Romanen wimmelt es von unerwarteten Wendungen, Sackgassen, falschen Fährten, Puzzles und mehrfach gebrochenen Spiegeln – Instrumente eines sanften Nihilismus, mit denen er und seine Figuren die Welt auf gleicher Wellenlänge einfangen."
Im Juni 2005 erschien Der Unberührbare bei Goldmann als Taschenbuch (9,95 Euro). 2004 brachte Kiepenheuer & Witsch Caliban heraus (gebundene Ausgabe, 22,90 Euro). Der Kölner Verlag kündigte an, The Sea werde im Herbst 2006 in deutscher Übersetzung auf den Markt kommen.
Banville selbst hat angekündigt, er werde als nächstes unter Pseudonym einen Thriller schreiben. Quirke werde 2006 erscheinen und sei der Auftakt einer Serie. Den Hintergrund soll die Korruption innerhalb der Katholischen Kirche liefern.
geschrieben von Eberhard "Paddy" Bort am 15.04.2005 um 16:19 Uhr.


