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Wie hat sich Irland in den vergangenen 30 Jahren verändert?
Botschaftssekretär Adrian Farrell sprach in Friedberg über den irischen Wandel und das deutsch-irische Verhältnis.
In diesem Jahr feiert die deutsch-irische Gesellschaft im hessischen Friedberg ihr 30-jähriges Bestehen. Die Hauptrede zum Festakt im Bürgerhaus hielt Adrian Farrell, Erster Sekretär der irischen Botschaft in Berlin. Hier ein Auszug aus seiner interessanten Rede:
"Lassen Sie mich einige der wichtigsten Veränderungen in Irland aufzählen, seit diese Gesellschaft im Jahr 1977 gegründet wurde. Wir haben hier vorher die traurigen Filme von Gesellschaftsmitgliedern von Nordirland in den 70er und 80er Jahren angeschaut. Die erste und vielleicht willkommenste Veränderung in Irland in den letzten dreißig Jahren ist der Erfolg des Nordirland-Friedensprozesses gewesen, der das Blutvergießen und den Terror beendete. Der Erfolg des Friedensprozesses ist den Bemühungen aller Parteien in Nordirland und den britischen und irischen Regierungen zu verdanken, die zusammen für die Schaffung einer besseren Zukunft für alle in der Provinz gearbeitet haben. Es freut mich, dass Nordirlands Wirtschaft als Teil der so genannten "Friedensdividende" ebenfalls rapide wächst.
Die andere wichtige Veränderung war die Transformation, die auf vielen Ebenen der irischen Gesellschaft stattgefunden hat, als sich Irland in den letzten zwanzig Jahren vom Exporteur hauptsächlich landwirtschaftlicher Produkte zum Exporteur von Informationstechnologie und Pharamkonzerne entwickelt hat.
Als diese Gesellschaft 1977 gegründet wurde, hat Irland jährlich Güter im Wert von rund drei Milliarden Euro exportiert. Dieser Betrag ist zum Ende des letzten Jahres vielmals höher gestiegen. Deutschland ist ein Hauptexportmarkt für irische Güter.
Arbeitslosenrate stark gefallen
Irlands Arbeitslosenrate ist während der letzten zwei Jahrzehnte stetig gefallen, von 20 Prozent auf ca. 4,4 Prozent heute. Die Anzahl der in Irland beschäftigten Personen stieg von 1,1 Millionen vor 20 Jahren auf über zwei Millionen im Jahr 2006. Zwischen 1965 und 2007 stieg die Anzahl der Studenten in Irland um 702 Prozent.
Irland hat sich verändert und verändert sich immer noch. Vieles wurde erreicht, aber Irland arbeitet auch intensiv daran, seine Infrastruktur in manchen Bereichen zu verstärken.
Irland ist heute ein Einwanderungsland
Heute leben eine Millionen Menschen mehr in Irland als zu der Zeit, als die Friedberger Gesellschaft vor dreißig Jahren gegründet wurde. Die Volkszählung vom letzten Jahr hat einen Bevölkerungsanstieg von 8,2 Prozent allein in den vier Jahren zwischen 2002 und 2006 gezeigt. Irlands globalisierte Wirtschaft hat zwar zu einem Arbeitskräftemangel geführt, aber auch dazu, dass das Land und die Gesellschaft offener wird. 420 000 der gut 4,2 Million Einwohner Irlands sind keine irischen Staatsbürger, da Irland nach Jahrhunderten der Auswanderung zum Einwanderungsland (besonders für Osteuropäer) geworden ist.
Vielleicht ist die, eine der willkommensten Veränderungen in den letzten Jahren die in der irischen Bevölkerung. Vor einer Woche habe ich in einer Zeitung über die Griffin Valley Grundschule in Lucan im Westen Dublins gelesen, die Kinder aus 43 verschiedenen Ländern und mit zwölf verschiedenen Sprachen unterrichtet. Eventuell haben Sie auch von der Wahl von Rotimi Adebari zum Bürgermeister von Portlaoise in der Mitte Irlands gelesen. Bürgermeister Adebari ist Nigerianer, der vor sieben Jahren als Asylant nach Irland gekommen ist. Bei seinem Amtsantritt hat er Irland als Land der Möglichkeiten beschrieben, genau wie es damals die USA, Kanada oder Australien für Generationen armer irischer Emigranten waren.
Ist Irland "verändert, total verändert"?
Um Yeats Zitat, ist Irland "verändert, total verändert", zu beantworten: ja und nein. Viele würden behaupten, dass dies die typische Antwort eines Diplomaten ist. Aber während sich Irland in vielerlei Hinsicht verändert hat, ist auch vieles beim Alten geblieben. Die "neuen Iren" beziehen Irlands traditionelle Kultur und die Möglichkeiten der neuen Wirtschaftslage ein, und wir freuen uns über den Beitrag, den sie für Irland geleistet haben. Immer mehr junge Menschen sprechen Irisch, und irische Sportarten wie Gaelic Football und Hurling waren noch nie so populär wie heute – vielleicht auch wegen der deutschen Fußballmannschaft!
Aber Irland ist auch immer noch ein Land, das ein Gleichgewicht zwischen dem Modernen und dem Traditionellen beibehalten hat: die Volkszählung von 2006 hat gezeigt, dass sich manche Dinge nie verändern, und dass Irland neue Technologien für alte Gepflogenheiten anwendet. Heute kommen in Irland 103 Mobiltelefone auf 100 Einwohner – was beweist, dass wir immer noch gerne reden, wahrscheinlich auch zu viel!
Auch Deutschland hat sich verändert
Deutschland hat sich auch seit der Gründung Ihrer Gesellschaft grundlegend geändert. Die Bilder vom Mauerfall und Deutschlands zentrale Rolle bei der Stärkung der Europäischen Union sind allen in Irland bewusst, insbesondere, da Irland zu jener für Deutschland und Europa bedeutsamen Zeit die Präsidentschaft der EU innehatte.
Aber was bedeuten all diese Änderungen für die Beziehungen zwischen Deutschland und Irland? Irlands wirtschaftlicher Aufschwung und die Schaffung von Arbeitsplätzen hat dazu geführt, dass weniger Iren in Deutschland leben. Heute leben rund 10 000 Iren in Deutschland. Die irische Gemeinschaft in Deutschland konzentriert sich hauptsächlich auf große Städte wie Berlin, das viele irische Künstler angezogen hat, wie auch München, Deutschlands größte irische Stadt, Frankfurt und Düsseldorf. Die Volkszählung von 2002 hat gezeigt, dass ungefähr 10 300 Deutsche ständig in Irland leben.
Aber eine kleinere Bevölkerung ist weit davon entfernt, unsichtbar zu sein. Die St. Patrick’s Day Parade in München ist in kurzer Zeit zu einer der größten irischen Paraden Europas geworden. Iren sind in Deutschland in allen Gesellschaftsschichten zu finden und spielen eine Rolle in ihren Gemeinschaften. Der irische Sänger Reamonn ist heute einer der erfolgreichsten Aufnahmekünstler in Deutschland, und vor ein paar Wochen hat die irische Choreografin Marguerite Dolan einen bedeutenden Preis des Saarlands erhalten.
Starke deutsch-irische Beziehungen
Irland ist ebenfalls eine der letzten Inseln in der EU, nicht verbunden mit dem europäischen Festland. Das mag einer der Gründe sein, warum ein Ire die Billigfluglinie erfunden hat! Heute gibt es Flüge von Dublin nach Lübeck und Ludwigshafen, oder von Bremen, Baden-Baden und Berlin, und die Anzahl der Besucher zwischen den beiden Ländern ist in den letzen Jahren bedeutend gestiegen.
Wir hoffen, dass deutsche Besucher in Irland die Schönheit der Landschaft, das herzliche Willkommen und die Freundlichkeit trotz der vielen Veränderungen in unserem Land genießen.
Auf offizieller Ebene sind die Beziehungen zwischen Irland und Deutschland stark, sowohl auf EU- als auch auf bilateraler Ebene. Premierminister Bertie Ahern, der Premierminister mit der zweitlängsten Dienstzeit in der EU, war im letzten Jahr dreimal zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Merkel in Berlin. Außerdem kommen regelmäßig andere Regierungsmitglieder zu Gesprächen nach Deutschland. Zuletzt war der für Ernährung zuständige Staatsminister von der Partei der Grünen zur Anuga in Köln. Im Januar kommt eine Gruppe irischer Parlamentarier auf Einladung der deutsch-irischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages zu einem einwöchigen Besuch. Ein Deutschlandbesuch der Präsidentin von Irland steht ebenfalls an.
Durch Beziehungen am EU-Ebene haben beide Staaten die gleichen Ansichten zu vielen Aspekten, insbesondere bei der Verteidigung der Demokratie und der Menschenrechte in Entwicklungsländern, und ein starkes Engagement in der Entwicklungshilfe. Bono und Bob Geldof hatten in diesem Zusammenhang während der deutschen EU-Präsidentschaft mehrere Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel.
Böll und das heutige Irland
Die gemeinsame Mitgliedschaft in der EU hat auch dazu beigetragen, die Menschen in unseren beiden Ländern einander näher zu bringen. Hätte sich Heinrich Böll jemals vorstellen können, dass wir einmal eine gemeinsame Währung haben würden, als er in seinem Irischen Tagebuch über die unhandlichen irischen Münzen schrieb? Er wäre wahrscheinlich ebenso darüber erstaunt gewesen, dass 22 Prozent aller Schüler im Sekundarbereich Deutsch als Fremdsprache gewählt haben.
Hätte er geglaubt, dass manche moderne junge Dubliner ihr Guinness gegen ein Erdinger oder Becks, das auf dem irischen Markt "Becks Bier" heißt, eintauschen würden? Oder das Deutsche in irischen Bars überall in Deutschland feiern würden? Er wäre auch darüber erstaunt gewesen, dass viele Iren bei Aldi und Lidl anstatt im Dorfladen einkaufen. Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass Böll laut gelacht hätte, wenn er wüsste, dass Irland einen Nichtraucherschutz vor Deutschland gewählt hat! Aber das Wichtigste ist, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen herzlich sind, außer vielleicht, wenn es um Fußball geht!!
Gälisch-Kurse an deutschen Universitäten
Die Botschaft unterstützt und entwickelt eine Reihe kultureller Aktivitäten, um das Beste der traditionellen und neuen irischen Kultur einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland nahe zu bringen. Im Laufe dieses Monats wird die Botschaft ein einwöchiges Festival neuer irischer Filme in Berlin präsentieren. Letzte Woche hat das Irish Chamber Orechestra ein äußerst erfolgreiches Konzert im historischen Konzerthaus in Berlin gegeben.
Ebenfalls haben wir vor kurzem eine neue Initiative zur Stärkung und Unterstützung der Lehre der irischen Sprache an deutschen Universitäten gestartet. Die irische Regierung gibt finanzielle Unterstützung an sieben deutsche Universitäten zur Förderung von Sprachprogramme für Irisch, und wir beteiligen uns auch an Programmen wie "kleine Sprache, große Literatur" bei der Leipziger Buchmesse, um die irische Sprache weiter bekannt zu machen.
geschrieben von Adrian Farrell am 11.11.2007 um 14:16 Uhr.


